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Diese 7 Umwelt-Szenarien werden in Österreich wegen der Klimakrise immer extremer

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Von: Sophie Marie Unger

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Unwetter gab‘s doch schon immer. Dass sie auch mal heftiger ausfallen können, jo eh. Beim Anblick dieser Fotos sind sich aber viele einig: Da ist was Größeres im Busch. Welche extremen Wetterszenarien Österreich zu schaffen machen und wie man darauf reagiert, seht ihr jetzt.

Unwetter in Österreich
Die Altstadt von Hallein in Österreich wurde teilweise überflutet - die Wassermassen trugen auch dieses Auto mit. © TNN/dpa

Bilder sagen mehr als tausend Worte. Deshalb nutzen wir sie, um in wenigen Millisekunden auf den Punkt zu bringen, was wettertechnisch unbedingt gezeigt werden muss. Zudem erzählen Bilder Geschichten, die nicht nur unsere Umwelt betreffen, sondern vor allem auch Menschen. Wir wollen hier die Möglichkeit geben, ihre Reaktionen preiszugeben. Wenn wissenschaftlicher Aufklärungsbedarf besteht, nutzen wir vorwiegen die Zahlen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) oder des Weltklimarats.

1. Regen

Niederschlag ist ein wichtiger Faktor eines Unwetters und sicherlich einer, der in den vergangenen Jahren für viel Aufsehen gesorgt hat. Obwohl die ZAMG bezogen auf langfristige Niederschlagsmessungen auf regionale Unterschiede hinweist, ist eines klar: Besonders im Sommer hat sich in den letzten Jahrzehnten die Verteilung der täglichen Regenmenge deutlich geändert: Die Zahl der Tage, an denen es nicht regnet, wurde seltener. Und auch die Intensität vollzieht einen Wandel. Die Schauer fallen heftiger aus, da die Luft pro Grad Erwärmung (seit 1980 österreichweit um zwei Grad gestiegen) rund sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen kann und diesen in unterschiedlichsten Formen - wie etwa Starkregen oder Gewitter - abgeben muss. Im Sommer 2021 war etwa Hallein ein prominenter Schauplatz dafür.

Die Bilder sind bekannt, trotzdem wirken sie noch immer nach. Die vom Hochwasser betroffene Familie Brunauer konnte erst kürzlich so richtig von ihren Erlebnissen berichten, da der Schock zuvor noch zu groß war. Ihr Geschäft und ihr Haus wurden komplett zerstört. Durch die Hilfszahlungen konnten sie nun übersiedeln. Die Angst ist weiter präsent: „Wenn es stark regnet, dann schlafe ich gar nicht mehr“, so der Familienvater. Trotzdem ist die Familie zuversichtlich. „Wir schaffen das ... Wir haben schon viel geschafft und kämpfen darum.“

2. Sturm

Die durch die Erwärmung verfügbare Energie für heftige Auf- und Abwinde ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Extreme Stürme sind die Folge, an der Grenze zu Österreich gab im Sommer sogar einen verheerenden Tornado. Mehrere Menschen starben, zahlreiche wurden verletzt. Der Sturm erreichte Windgeschwindigkeiten von bis zu 400 km/h. „Es ist die Hölle auf Erden“, sagte Regionalgouverneur Jan Grolich direkt nach dem Sturm. Das Rote Kreuz in Niederösterreich half bei den Aufräumarbeiten. Auch in Österreich selbst richteten Stürme vergangenen Sommer schwere Schäden an. In Oberösterreich wurden im August bspw. zahlreiche Häuser abgedeckt. Diese thermodynamischen Effekte werden sich in unseren Breiten laut Wetterexperten deutlich verstärken.

3. Hagel

Hagel war zuletzt auch immer wieder mit von der Unwetter-Partie. Wenn im Sommer kleine Hagelkörner mal plötzlich auf grünen Wiesen landeten, fanden wir das als Kind meist erstaunlich, aber nicht weiter brisant. Doch in den vergangenen Jahren sind aus den Körnchen regelrechte Eis-Ungetümer geworden. Das hat damit zu tun, dass durch die heftigeren Auf- und Abwinde die gefrorenen Tropfen öfters eiskalte und wärmere Zonen passieren müssen, was somit Einfluss auf die Größe hat. Und diese Ungetümer landen halt leider nicht immer auf unbewohnten- und bepflanzten Böden, sondern zerstören Häuser und sorgen für Missernten. Den österreichischen Bauern sind 2021 bereits Schäden von 220 Millionen Euro alleine durch Hagel entstanden. „Der Schaden geht dabei quer durch die Bank“, erzählt Bauernkammerobmann Roman Bayer. „Bei Feldfrüchten, Mais, allen Getreidesorten und bei Obst wie Kirschen, Marillen und Äpfeln.“

4. Blitze

Die buchstäblich geladene Atmosphäre muss sich wie oben schon beschrieben irgendwie entladen. Das geschieht auch durch Blitze. Hierbei entsteht ein elektromagnetisches Feld, das sich vom Einschlagsort wellenförmig in alle Richtungen ausbreitet. Gefühlt werden Blitze und das damit verbundene Donnergrollen immer häufiger. Beweise dafür liefert etwa die US-Universität Berkeley. Eine dort durchgeführte Studie sagt voraus, dass mit jedem Grad der globalen Erwärmung die Zahl der Blitze im Mittel um zwölf Prozent steigt. Laut ZAMG sind stichhaltige Prognosen wegen großer Schwankungen schwierig. Klar ist jedoch, dass es im Sommer 2021 besonders viele Blitze gab. Mit rund 1,4 Millionen Blitzen liegt der Wert nämlich oberhalb des 10-jährigen Mittels von 2011 bis 2020. Kärnten und Steiermark sind übrigens besonders blitzreich, aber auch Wien hat in den vergangenen Jahren aufgeholt.

5. Schneechaos

Wie kann es sein, dass sich die Atmosphäre erwärmt und sämtliche Gletscher schmelzen, aber trotzdem Schneemassen übers Land hereinbrechen? Diese Tatsache versteht auch Donald Trump nicht so ganz, das Schlüsselwort dafür lautet aber wieder einmal Wetterextreme. Denn obwohl die Schneehöhe insgesamt seit 1980 deutlich abnimmt und es so gut wie keinen moderaten Schneefall mehr gibt, sind extreme Einzelwetter-Ereignisse keine Seltenheit. So schneit es in wenigen Stunden eigentlich viel zu viel, der Schnee an sich bleibt aber kaum noch liegen.  Die Anzahl der Tage mit Schneedecke sind in den vergangen 60 Jahren um die Hälfte gesunken und auch der flüssige Anteil - also Regen - hat enorm zugenommen. Was bleibt sind also Matsch, Muren und gefährliche Gleitschneelawinen.

Die potenziell wärmere Luft aus dem Mittelmeergebiet hat im vergangenen Winter in Tirol zu extrem frühen Rekordniederschlag geführt. Dieser sorgte im Dezember für tagelange Anspannung bei Lawinenexperten. „Wenn die Schneehöhenlinie ansteigt und ansteigt, beunruhigt mich das schon sehr, da bekomme ich ab und zu richtig Gänsehaut“, so Leiter des Tiroler Lawinenwarndienstes, Rudi Mair. Geschlossene Schulen, beschädigte Stromleitungen und gesperrte Straßen werden somit auch zukünftig eher Regel als Ausnahme.

6. Brände

Hatte Donald Trump mit seiner Aussage über Österreich und seinen explosiven Bäumen vielleicht doch recht? Im Oktober 2021 vernichtete einer der größten Waldbrände in der Geschichte Österreichs etliche Hektar Land. Der verheerende Brand in Hirschwang an der Rax verdeutlicht die Prognose, dass es auch bei uns künftig häufiger zu ähnlichen Vorfällen kommen kann. Zwar ist die Brandgefahr laut Experten nicht so groß wie etwa im Mittelmeerraum, trotzdem sind die Böden zu trocken und die Gewässerpegel sehr gering, was das Risiko eines Waldbrandes erhöht.

Twitter-User:innen und Bewohner:innen der Region halten das Szenario fest und berichten von dichtem Rauch. Eine bedrohliche Stimmung scheint sich auszubreiten. Denn gerade das Verbrennen der Wälder ist doppelt fatal. Beim Wachsen entziehen Pflanzen der Luft CO2, das Kohlendioxidniveau der Atmosphäre wird so gesenkt. Verbrennt die Biomasse aber, ist dieses CO2 nicht mehr gebunden. Laut Forscher wird im Amazonas-Gebiet durch Brandrodung schon mehr CO2 freigesetzt, als entzogen wird. Auch Österreich besteht fast zur Hälfte aus Wald, möge uns das Amazons-Szenario erspart bleiben.

7. Hitze

Hitze ist wohl jener Faktor, der für uns alle irgendwann irgendwo deutlich spürbar ist. Während es Anfang des 20. Jahrhunderts in Österreich durchschnittlich zwei Tage mit über 30 Grad im Jahr gab, sind es im Jahr 2019 bereits 15. Dieser Wert wird sich bis 2030 voraussichtlich verdoppeln. Auch die sogenannten Tropennächte - also Nächte an denen das Temperaturminimum nicht weniger als 18° C beträgt - haben deutlich zugenommen.

Laut Regierung sterben jährlich 500 Menschen in Österreich an den Folgen der extremen Hitze. Die Sommer werden aber nicht nur heißer, sondern auch trockener. Sichtbar wirken sich die Dürreperioden etwa im Burgenland aus. Laut Daten des Hydrographischen Dienstes Burgenland liegt der heurige Pegelstand des Neusiedlersees deutlich unter dem langjährigen Mittel von 1965 bis 2020. Extrem ist, dass es in manchen Regionen zu heftigem Niederschlag kommt, während andere Regionen austrocknen, diese Schere wird auch zukünftig weiter auseinander gehen.

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