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Wie sehr beschäftigen sich Religionsgemeinschaften eigentlich mit der Klimakrise?

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Von: Sophie Marie Unger

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Nepals größtes buddhistisches Bauwerk, der Boudhanath-Stupa und der Stephansdom in Wien
Religionsgemeinschaften gehen das Thema Klimaschutz unterschiedlich an. (Fotomontage) © APA Picturedesk/BuzzFeed

Egal ob Unternehmen, Organisationen oder Individuen - allen wird zurzeit relativ genau auf die Finger geschaut, wenn‘s um den Klimaschutz geht. Doch was ist eigentlich mit Religionsgemeinschaften? Wir haben einige genauer unter die Lupe genommen.

Auch wenn sie in der westlichen Welt eine eher untergeordnete Rolle spielt - Religion ist für zahlreiche Menschen ein wichtiger Lebensbestandteil. Noch immer bezeichnen sich 80 Prozent der Weltbevölkerung als religiös. Religionsgemeinschaften und Kirchengemeinden sind dabei im Alltag dieser Menschen zentrale Anlaufstellen, die wichtige Werte vermitteln. Auch der Umweltschutz steht laut eigenen Angaben vieler Religionen ganz oben auf der Wertevermittlungs-Liste. Eine Studie zeigt, dass das in der Realität aber nicht immer der Fall ist.

Religionsgemeinschaften haben beim Umweltschutz Nachholbedarf

Die Studie „Urban Green Religions“, die zwischen 2018 und 2021 am Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik der Universität Basel durchgeführt wurde, verortet klare Versäumnisse vor allem hinsichtlich des Klimaschutzes. Natürlich ist dabei aber eine Differenzierung der Religionsgemeinschaften notwendig. Der Nachholbedarf zeigte sich zwar bei vielen Religionsgemeinschaften, pikant sei er jedoch bei „den traditionell ansässigen“ - sprich: bei jenen, die staatliche Förderungen erhalten und über „vergleichsweise hohe Ressourcenausstattung“ verfügen. In Österreich, Deutschland und der Schweiz sind das die katholische Kirche, die evangelische Kirche und die reformierte Kirche.

Vernachlässigt werden dabei nicht nur essenzielle Investitionen in die Gebäudesanierung, sondern auch die als wichtig empfundene Wertevermittlung. Die Interiewpartner:innen der Studie gaben zu, dass die Umwelt-Werte „nur bedingt Einzug“ in die theologische Vermittlungspraxis vor Ort finden.

Lokale Kirchengemeinden schneiden besonders schlecht ab

Lokale Gemeinschaften engagieren sich durchschnittlich weniger stark für die Umwelt, als regionale und nationale Dachverbände. Hierbei scheitert es oft an Ressourcen, so das Ergebnis der Studie. Zuerst müsste die religiöse Grundversorgung der Mitglieder sichergestellt werden, erst dann können Themen wie Umweltschutz wahrgenommen werden, hieß es. Das bestätigt auch die deutsche Koordinatorin des ökumenischen Netzwerkes Klimagerechtigkeit, Astrid Hake. „Klimaschutz ist natürlich ein ganz großes Investitionsaufkommen. Und gerade wenn es darum geht, Gelder zu verteilen – auch bei zurückgehenden Mitgliederzahlen, Kirchenmitgliedern – ist das natürlich auch ein Konflikt, der da auftritt“, so Hake.

Deutsche Religionsgemeinschaften sind mehr dahinter als österreichische

Obwohl sich die großen Religionsgemeinschaften in Österreich öffentlich mit der Umweltbewegung „Fridays For Future“ solidarisiert haben, mangelt es an österreichischen religiösen Initiativen und Dachverbänden, die sich explizit für den Umweltschutz einsetzen. In Deutschland gibt es bereits seit einigen Jahren die „Curches For Future“, die „Christians 4 Future“ und das „Ökumenische Netzwerk Klimagerechtigkeit“. Gemeinsam werden dann auf täglicher Basis Projekte wie Klimapilgern oder Plastikfasten organisiert.

Zum Vergleich dazu: Auf der Website der Katholischen Kirche Österreich findet man das Thema „Ökologie & Schöpfung“ irgendwo zwischen zig anderen Unterrubriken. Dass Österreich im Gesamten hinsichtlich des Klimaschutzes nicht in der Profi-Liga mitspielt, halt zuletzt auch der Klimaschutzindex gezeigt.

Österreichische Bemühungen gibt‘s trotzdem

Natürlich gibt es auch in Österreich Ausnahmen von der Regel. Die Umweltbeauftragten der Katholischen und Evangelischen Kirche haben sich hierzulande zusammengetan und Initiativen und Aktionstag wie etwa das „Autofasten“, „RADLn in der Kirche“ oder das Projekt „Kirchturmtiere“ ins Leben gerufen. Auch Lehrgänge und Austauschtreffen sollen das Umweltbewusstsein in kirchlichen Gemeinschaften stärken. Mit Podcasts und Blogposts versucht man auf der eigenen Homepage zudem, Jugendliche zu erreichen.

Im Buddhismus sind Gebetsfahnen wichtiger Umweltschutz-Impuls

Nepals größtes buddhistisches Bauwerk, der Boudhanath-Stupa, ist kürzlich auf biologisch abbaubare Gebetsfahnen umgestiegen. Im Buddhismus werden bunten Stoffstücke mit Symbolen und Gebeten bedruckt und in Ritualen verbrannt, wenn sie alt und kaputt sind. Die Gebete werden dem buddhistischen Glauben nach somit vom Wind zu den Göttern getragen. Für die Herstellung der Fähnchen wird heutzutage meist Polyester verwendet, welches bei der Verbrennung giftige Gase freisetzt.

Der Entwicklungsausschuss für Boudhanath hat sich nun für den Einsatz ökologisch abbaubarer Materialien entschieden. Chandra Man Lama, der Vorsitzende des Entwicklungsausschusses für Boudhanath, sieht in den neuen Gebetsfahnen einen wichtigen Impuls für den Umweltschutz. Daher sei er überzeugt, dass die Girlanden aus natürlichen Materialien „eine gute Botschaft aussenden und sich auch an anderen Orten verbreiten“. Naja vielleicht bringt‘s ja was - jetzt heißt‘s hoffen und beten.

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