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Die Klimakrise zerstört die Philippinen: Junge Filipinos und Filipinas erzählen uns, warum sie so besorgt sind

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Von: Sophie Marie Unger

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Ein Ueberlebender des Taifuns Rai versucht auf den Philippinen, die Ueberreste des Weihnachtsfests zu retten.
Kurz vor Weihnachten sorgt Taifun „Rai“ auf den Philippinen für Chaos. © Erik de Castro/APA Picturedesk

Wirbelstürme, Erdrutsche und Überschwemmungen stehen auf den Philippinen quasi schon auf der Tagesordnung. Was das für junge Menschen bedeutet und wovor sie Angst haben, erfahrt ihr hier.

Kurz vor Weihnachten war es wieder soweit: Ein Taifun hat die Philippinen verwüstet und zahlreiche Todesopfer gefordert. Hunderttausend Menschen mussten ihre Häuser verlassen, viele wurden in dramatischen Szenen von ihren Dächern gerettet. Junge Filipinos und Filipinas sind extrem besorgt. Wir haben einige in Österreich lebenden Philippiner:innen über ihr Befinden befragt.

Wie genau sieht die Situation auf den Philippinen aus?

Rund 20 Taifune verwüsten jedes Jahr die Philippinen, Wetterextreme nehmen schon länger deutlich und nachweislich zu. Laut aktuellem UN-Klimabericht bewegt sich die Erderwärmung in Richtung 2,7 Grad - und liegt somit deutlich über dem 1,5 Grad-Ziel. Betroffen ist vor allem der Süden. 2021 gab es wegen der Klimakatastrophen fast vier Millionen Binnenflüchtlinge - also Zivilist:innen, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht vor Naturkatastrophen sind.

Junge Filipinas und Filipinos fürchten um ihre Zukunft

92 Prozent der jungen Filipinas und Filipinos haben Angst vor der Zukunft. In einer von der medizinischen Zeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten internationalen Studie sprechen Jugendliche von 16 bis 25 Jahren von Furcht, Frust, Verzweiflung und Wut.

Und diese Gefühle gründen laut dem auf den Philippinen beheimateten Klimaaktivisten, Jefferson Estela, auf immer demselben Muster. „Schlagzeilen über die Notwendigkeit sofortiger Maßnahmen tauchen zwar kurz auf, verschwinden dann aber wieder, Menschen nehmen nur winzige Änderungen ihres Lebensstils vor und andere geben komplett auf“, so Jefferson Estela.

Auch die Politik sei komplett unfähig. Das zeige etwa eine kürzlich umgesetzte Maßnahme von Staatschef Rodrigo Duterte. Dieser hob nämlich ein neun Jahre altes Moratorium für die Inbetriebnahme neuer Bergbauprojekte auf, um angesichts der von der Pandemie gebeutelten Wirtschaft Geld in die Staatskasse spülen. Das frustriert vor allem die jungen Menschen im Land.

Auch Austro-Filipinos und -Filipinas sind besorgt

30.000 Filipino-Österreicher:innen leben derzeit in Österreich. 13.536 davon wurden auf den Philippinen geboren und haben teils noch viele Verwandte und Bekannte auf den Inseln. Wir haben Rosalin, Sam, Chris und Pipo gefragt, was sie hinsichtlich der Klimathematik so mitbekommen - und das ist echt einiges.

Wie geht es deinen Verwandten/Bekannten auf den Philippinen?

Rosalin: Meine Großmutter wurde vor zwei Wochen aus ihrem Haus evakuiert, weil sie in einem Dorf auf der Insel Siargao lebte, welches vom Taifun „Rai“ nun vollkommen ausgelöscht wurde. Gesundheitlich geht es ihr gut - dafür danke ich all den Helfenden. Aber psychisch ist das für eine 90-Jährige einfach eine Zumutung. Auch wenn die Folgen der Katastrophe nicht mehr ganz mitbekommt, an die neue Umgebung wird sie sich nicht mehr gewöhnen und das ist extrem traurig und betrifft nicht nur sie.

Sam: Ich bin vor 20 Jahren mit meinen Eltern nach Wien gekommen. Meine Tante und mein Onkel sind auf den Philippinen geblieben, weil sie eine damals noch gut funktionierende Fischerei betrieben haben. Doch das hat sich alles geändert. Der Klimawandel lässt die Fischbestände schrumpfen. Vom Fischen allein können sie nicht mehr leben, deshalb holzen sie Mangroven ab. Doch genau diese Pflanzen schützen sie vor den Unwettern ... es ist also ein Teufelskreis.

Hast du die Auswirkungen der Klimakrise in deiner Heimat schonmal hautnah miterlebt?

Pipo: 2012 war ich selbst für ein Jahr auf den Philippinen und lebte und arbeitete dort. Ich habe in dieser Zeit den Mega-Taifun „Hayan“ nur knapp überlebt. Danach habe ich geholfen, die Stadt wieder aufzubauen. Diese Erfahrung erfüllt mich natürlich mit Angst. Und wenn man selber gewisse Situationen schon gesehen hat, ist dieses Gefühl natürlich noch intensiver. 

Chris: Ich bin in den vergangenen 5 Jahren öfter in mein Heimatdorf zurückgekehrt, um meinen Cousinen beim Aufbau ihrer Häuser zu helfen. Sie standen teils bis zum Dach unter Wasser. Und ich kann sagen, dass sich das auf jeden Fall gehäuft hat.

Wie kann man in solchen Situationen helfen, wenn man nicht vor Ort sein kann?

Chris: Spenden sind sicherlich immer ein guter Weg. Denn die Philippinen gehören zu den ärmsten Ländern der Welt und viele Menschen sind darauf angewiesen, um überhaupt weiter ihrer Arbeit nachgehen zu können. Auf misereor.de kann man bspw. für Fischerverbände spenden.

Rosalin: Wichtig ist, bspw. auch Petitionen zu unterschreiben. 2015 riefen Taifun-Überlebende und Umweltschützer:innen etc. die philippinische Menschenrechtskommission mit einer Petition auf, den Erderwärmungs-Beitrag von Konzernen wie Shell zu überprüfen. Und das hat ja wirklich was gebracht, weil der Shell-Konzern muss jetzt den CO2-Ausstoß bis 2030 um 45 Prozent senken.

Was nimmst du aus diesen beunruhigenden Situationen mit?

Pipo: Was ich gelernt habe ist, dass die Leute auf den Philippinen egal was passiert immer noch ein Lächeln im Gesicht haben. Die Leute haben nicht viel, aber das, was sie haben, ist Liebe und Zusammenhalt ... deswegen schaffen sie es auch Jahr für Jahr immer wieder aufzubauen. Deshalb erinnere ich mich oft zurück, um die wahren Werte im Leben nicht zu vergessen. Und diese auch ein wenig unter den Leuten zu verbreiten :)

Doch auch in Österreich ist die Klimakrise deutlich spürbar. Das Extremwetter verdeutlichte auch im Jahr 2021, dass die Klimakrise längst nicht mehr leicht zu stoppen ist.

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