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Mit dem Streamen von Netflix und Co kannst du ein Wiener Spital heizen

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Von: Christian Kisler

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Montage: Die Klinik Floridsdorf, eine Fernbedienung mit Netflix-Taste
Die Klinik Floridsdorf soll durch Streamen beheizt werden können. © Weingartner-Foto/APA-PictureDesk/Rene Traut/Imago/BuzzFeed Austria

Die Klinik Floridsdorf, eines der Wiener Großspitäler, wird in Zukunft davon profitieren, wenn du Filme und Serien streamst. Denn es wird mit der Abluft eines benachbarten Rechenzentrums geheizt werden.

Manche Dinge sind ein bisschen hirnverbrannt. Etwa, dass man sich nicht erblödete, einem Energetiker 95.000 Euro zu zahlen, um einen sogenannten „Energiering“ rund um die Klinik Floridsdorf zu ziehen. Kein Wunder, dass die Baukosten des Wiener Großspitals mit 1,262 Milliarden Euro ins Astronomische schossen. Manche Ideen sind allerdings wiederum sind so einfach wie genial. Die Abwärme aus Serverräumen eines Rechenzentrums in unmittelbarer Nähe soll dafür genutzt werden, die Krankenhaus künftig zu heizen. Auf diese Weise sollen 50 bis 70 Prozent des Wärmebedarfs des Spitals abgedeckt werden. Das ist nicht wenig, schließlich gibt es in der Klinik Floridsdorf insgesamt 90.000 Laufmeter Heizung sowie einen jährlichen Warmwasserverbrauch von 73.000 Kubikmetern. Dabei wird die Klinik an 150 Tagen im Jahr beheizt.

Je mehr du bingewatchst, desto mehr kann geheizt werden

Das private Unternehmen, mit dem zusammengearbeitet wird, nennt sich Interxion und betreibt nach eigenen Aussagen den größten Rechenzentrumscampus Österreichs. 120.000 Server von über 100 Firmen sind hier untergebracht, wobei viele Kund:innen darauf bestehen, nicht genannt zu werden. Darunter auch ein großer Streaminganbieter, dessen Name mit „Net“ anfängt und mit „flix“ aufhört. Das bedeutet auch: Je mehr du bingewatchst, desto mehr kann geheizt werden.

Doch wie funktioniert das eigentlich? Zunächst einmal ist es nicht unwesentlich, dass die Klinik Floridsdorf, einst als KH Nord bekannt, und Interxion nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt sind. Zwischen den beiden Gebäuden wird bis 2023 eine Wärmepumpe errichtet. Die benötigt freilich auch Energie, die wiederum durch ein Windrad erzeugt werden soll. Woher kommt aber die Wärme? Serverfarmen dieser Größenordnung benötigt man viel Kühlwasser, sonst überhitzen die Geräte.

In der Klinik Floridsdorf sollen pro Jahr 4.000 Tonnen CO2 eingespart werden

Das wiederum erwärmt das Kühlwasser, und zwar auf rund 26 Grad. In der Wärmepumpe wird es auf bis zu 82 Grad erhitzt. Und dieses Wasser, die Abwärme eben, wird ins Krankenhaus geleitet. Das nach der Nutzung im Spital abgekühlte Wasser fließt zurück ins Rechenzentrum, in dem es wieder als Kühlflüssigkeit verwendet wird. Ein schöner Kreislauf. So sollen pro Jahr 4.000 Tonnen CO2 eingespart werden können.

Veranschlagt wurden dafür 3,5 Millionen Euro, wobei ein finanzieller Zuschuss aus Mitteln der Umweltförderung des Bundes gewährt wurde. Ein Betrag, der angesichts dessen, was bereits an Kohle in die Klinik Floridsdorf geflossen ist, fast lächerlich wirkt. Abgesehen davon, dass es eine gute Investition in Sachen Klimaschutz ist.

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