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Der Rad-Highway durch Wien könnte Ulli Simas erste gute Idee als Verkehrsstadträtin sein

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Von: Christian Kisler

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Montage: Eine Vorschau auf den kommenden „Mega-Rad-Highway“, Verkehrsstadträtin Ulli Sima
Mit dem neuen „Mega-Rad-Highway“ will Verkehrsstadträtin Ulli Sima einen sieben Kilometer langen Fahrradweg von der Donaustadt in die City schaffen. © ZOOMVP/Mobag/Hans Punz/APA-PictureDesk

Mit dem Fahrrad vom 22. Bezirk direkt in die Innenstadt auf einem vier Meter breiten Radweg: Das soll bald Wirklichkeit sein. Nach einigen weniger gut gelungen Aktionen könnte dies das erste vernünftige Projekt von Verkehrsstadträtin Ulli Sima seit langem sein.

Ulli Simas Bild in der Öffentlichkeit war auch schon mal besser. Vor wenigen Tagen erst wurde das Protestcamp auf der Baustelle für die geplante Stadtstraße im 22. Bezirk unter massivem Polizeiaufgebot geräumt. Im Dezember 2021 bekamen Umweltaktivist:innen potenziell existenzgefährdende Klagen zugestellt. Beides fiel in den Bereich Simas, ist sie doch seit Herbst 2020 Stadträtin für Innovation, Stadtplanung und Mobilität, kurz Verkehrsstadträtin.

Zu dieser Zeit präsentierte sie Pläne für eine Markthalle nach Londoner Vorbild am Naschmarkt, dort am ohnehin bereits zubetonierten Parkplatz, wo an Wochenenden der Flohmarkt stattfindet. Die Wut der Anrainer:innen war ihr gewiss, schnell gab es gleich zwei Bürger:inneninitiativen, die sich dagegen aussprachen. Und ganz ehrlich: Ich habe ewig lange im 6. Bezirk gewohnt, bin jetzt auf der anderen Seite des Wienflusses, im 5., daheim und halte das auch für eine Schnapsidee. Zumal es seit Jahren nachhaltige Begrünungskonzepte für die Betonwüste dort gibt.

Ulli Simas Werdegang verwundert viele

Nicht umsonst wundern sich viele über Ulli Simas Weg: von grüner Spitzenkandidatin bei der ÖH-Wahl 1993 über führende Mitarbeiterin der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 bis zur SPÖ-Versiegelungsbefürworterin heute. Allerdings darf man ihr in Wien dafür dankbar sein, dass man nicht Gefahr läuft, alle paar Meter in die Hinterlassenschaften eines Hundes zu steigen. Die Aktion „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“ geht auf ihre Kappe. Ein Segen, zugegeben. Als Umweltstadträtin wollte Sima Wien zur „Umweltmusterstadt“ machen. Tatsächlich liegt die Bundeshauptstadt im internationalen Vergleich weit vorne. In Sachen Feinstaubbelastung und Energieeffizienz ist freilich Luft nach oben.

Abgesehen davon muss sich die SPÖ seit jeher den Vorwurf anhören, eine Autofahrer:innenpartei zu sein. Umso erfreulicher, dass Ulli Sima jetzt einen „Mega-Rad-Highway“ von der Donaustadt, dem 22. Bezirk, durch die Leopoldstadt, den 2. Bezirk, in die Innere Stadt, den 1. Bezirk, angekündigt hat. Sieben Kilometer lang soll die Strecke sein, auf der man nicht um sein Leben bangen muss, weil man auf dem Fahrrad Freiwild für Autofahrer:innen ist, wie diese Beispiele beweisen.

Herzstück des „Mega-Rad-Highways“ ist die Praterstraße

Herzstück soll der rundum erneuerte, stadtauswärts über vier Meter breite Weg über die Praterstraße sein. Doch der Reihe nach: Der vollmundig getaufte „Mega-Rad-Highway“ führt zunächst vom Kagraner Platz über die Wagramer Straße, Reichsbrücke und Lassallestraße bis zum Praterstern. Von dort geht es weiter stadteinwärts über den bereits erwähnten nigelnagelneuen Radweg auf der Praterstraße weiter über die Aspernbrückengasse zur Aspernbrücke. Weiter geht es über den seit Jahren beliebten und gut befahrenen Ring-Radweg entlang des Franz-Josefs-Kai und der Uraniastraße. Tadaaah, wir sind in der City.

Bis man dahin umweltschonend und wadelkräftigend strampeln kann, dauert es noch ein bisserl. Voraussichtlicher Baustart für den Weg auf der Praterstraße ist Herbst 2022, fertiggestellt soll er zwei Jahre später sein, im Herbst 2024. Wer bis dahin noch nicht in Form ist oder noch kein Fahrrad besitzt, hat also entsprechend Zeit zur Vorbereitung. Angenehmer Nebeneffekt: Im Zuge der Bauarbeiten werden die angrenzenden Grätzel „cooler“ gemacht, also den Auswirkungen der Klimakrise angepasst. Und im direkten Umfeld des Rad-Highways entstehen neue Grünflächen und werden Bäume gepflanzt.

Ulli Sima kann ihr angekratztes Image so wenigstens wieder ein wenig aufpolieren. Und das Protest-Camp-Desaster wieder ein wenig gut zu machen. „Wir schaffen eine einzigartige Querverbindung über drei Bezirke und werten das bestehende Radwege-Netz enorm auf“, sagt sie in einem offiziellen Statement. Das wird sich weisen.

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