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Ein Minicomputer wird seit über einem Jahr mit Blaualgen betrieben

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Von: Christian Kisler

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Montage: Ein alter Minicomputer, eine Petrischale mit Blaualgen
Britische Forscher:innen betreiben einen Minicomputer mit Blaualgen. © Science Photo Library/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Er lebt! Seit bereits einem Jahr bezieht ein Computer im britischen Cambridge seine Energie ausschließlich aus Blaualgen und Sonnenlicht.

Der Mensch lebt nicht nur von Brot allein, heißt es im Alten Testament. Nein, er braucht auch Wasser und Licht, am besten dazu noch ein bisschen Grünzeug. Eine ähnliche Überlegung stellten Forscher:innen der University of Cambridge und der Chipkonzern ARM an, nur dass sie das Brot wegließen und den Menschen durch einen Computer ersetzten. Wasser, Licht und die Blaualge, die streng genommen eigentlich gar keine Alge ist, das genügt, um einen Mikro-Rechner seit einem Jahr zu betreiben. Der ARM-Cortex-M0+-Mikroprozessor beherbergt genau einen Mikrochip, ja, richtig, einen einzigen. Der wird dafür ausreichend mit Strom versorgt, ist der Computer doch lediglich so groß wie eine herkömmliche Batterie.

Der Minirechner lebt also, quasi ein Biocomputer. Die benötigte Energie bezieht er von einem Cyanobakterium namens Synechocystis. Es erzeugt ungiftige Ausscheidungen und wurde früher fälschlicher unter dem populärwissenschaftlichen Namen „Blaualge“ zu den Algen gezählt. Dieses Bakterium ernährt sich ausschließlich vom Umgebungslicht, und zwar wie Pflanzen auch via Fotosynthese. Seine Heimat, besagter Mikrocomputer, ist ein winzig kleiner Wasserbehälter, der gerade einmal die Größe einer handelsüblichen Mignon-Batterie aufweist.

Dabei entsteht nun eine elektrische Spannung, niedrig, aber ausreichend, um den Chip mit der benötigten Energie zu versorgen. Das geschieht über eine Aluminiumelektrode. Bei dem von der University of Cambridge präsentierten Rechner handelt es sich um einen Prototyp, der mit recyclebaren, also wiederverwertbaren Materialien gebaut wurde. Diese sind zudem günstig und leicht verfügbar, hier kommt nichts Exotisches zum Einsatz, kein Hokuspokus. Somit kann er leicht in Serie hergestellt werden.

Der von Blaualgen betriebene Minicomputer stand auf dem Fensterbrett

Das Experiment selbst hat den Forscher:innen zufolge wie daheim stattgefunden, der Prototyp stand auf einem Fensterbrett. Das Licht war demzufolge natürlich, ebenso die üblichen Temperaturschwankungen. Der extrem sparsame Chip eignet sich dabei eher nicht für ausgiebige Gaming-Sessions, sondern soll für Anwendungen wie das viel beschworene Internet of Things gedacht sein, also für intelligente beziehungsweise smarte Haushaltsgeräte.

Umweltfreundlich und nachhaltig ist das System obendrein. Wie gesagt, die Komponenten sind günstig und leicht verfügbar, lassen sich abbauen oder wiederverwerten, und alles, was die Blaualge, besser gesagt das Bakterium, benötigt, sind Licht und Wasser. In Anbetracht der Menge an Irrtümern und Gerüchten rund ums Energiesparen in Zeiten wie diesen eine gute Meldung. Ungefähr so wie jene, dass in der Petrischale gezüchtete Mini-Gehirne schneller lernen, Computerspiele zu zocken als Künstliche Intelligenz.

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