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Niederschläge: Sowohl Fluch als auch Segen

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Feuerwehrmann bei Wasserhochstand vor einem Straßenschild Richtung Amstetten.
Im Juli 2021 in Amstetten, Österreich: Zivilschutzalarm nach heftigen Unwettern. © Eibner-Pressefoto/EXPA/Eisenbauer/Imago

Erst wenn Überflutungen und Hochwasserkatastrophen die Menschen treffen, wird die Kraft des Wetters richtig bewusst. Wissenswertes über positive und negative Folgen von Niederschlag:

In der Meteorologie wird unter dem Begriff „Niederschlag“ die Ausscheidung von Wasser aus der Atmosphäre bezeichnet, das den Erdboden entweder in flüssiger (Regen, Nebeltau) und/oder fester Form (Hagel, Tau, Reif, Graupel, Schnee) erreicht. Die Quellen für Niederschläge sind:

Niederschläge sind die Hauptkomponenten für den Wasserhaushalt. Österreich gilt mit einer Niederschlagsmenge von durchschnittlich etwa 1.100 mm pro Quadratmeter und Jahr als eines der wasserreichsten Länder Europas. In Österreich beträgt der Süßwasservorrat pro Einwohner und Jahr knapp 12.000 Kubikmeter. 

Niederschläge: Ihre wichtige Funktion

Ohne Niederschläge gäbe es kein Leben auf der Erde. So benötigt etwa der Mensch zum Leben rund drei Liter Trinkwasser pro Tag, ein Vier-Personen-Haushalt etwa 200 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr. In Österreich entsteht durch die 92 Milliarden m3 Niederschläge und 26 Milliarden m³ Zuflüsse ein jährliches Wasservolumen von etwa 118 Milliarden m³. Davon gehen in etwa 42 Milliarden m³ Wasser durch Verdunstung verloren oder laufen über die Oberflächengewässer ab.

Verfügbar sind ungefähr 76 Milliarden m³. Davon entfällt etwa ein Drittel auf das Grundwasser. In den Polargebieten und in Hochgebirgen wird ein Teil der Niederschläge in fester Form als Eis gespeichert. Ein weiterer Teil gelangt jedoch auch dort durch Verdunstung in die Atmosphäre. Beeinflusst werden Niederschläge durch jahreszeitliche und geografische Unterschiede sowie durch regionale Faktoren wie Wälder, Seen, Bodenart und Städte.

Niederschläge: Ihre negative Wirkung

Es ist wie ein Tanz auf dem Vulkan: Niederschläge können für alle Lebewesen auf der Erde sowohl lebenswichtig als auch lebensbedrohend sein. Die Atmosphäre wird durch die zunehmende Konzentration von Treibhausgasen wie etwa CO2 erwärmt. Dadurch erhöhen sich die Verdunstung und die atmosphärische Wasserdampfkapazität. Die Folgen davon: einerseits Dürren und andererseits mehr Wasserdampf in der Atmosphäre und dadurch wieder stärkere Niederschläge.

Seit einigen Jahren deuten diverse Klimamodelle darauf hin, dass menschliche Aktivitäten Niederschläge wie Regen und Schneefall beeinflussen. Tatsache ist: Sowohl in Deutschland als auch in Österreich nehmen die Niederschläge im Durchschnitt seit Jahrzehnten zu. Betrugen etwa in Deutschland im Zeitraum von 1901 bis 2000 die Niederschläge im Jahresdurchschnitt 774 mm, so waren es in der Zeit von 1981 bis 2010 bereits 797 mm. Das ist eine mittlere jährliche Erhöhung der Niederschläge um 23 mm (1 mm = 1 Liter/m2). Dabei spielt der Klimawandel bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle.

Niederschläge: Anstieg durch den Klimawandel

Extreme Wetterereignisse seien Folge des Klimawandels, so Michael Staudinger, Europa-Präsident der World Meteorological Organization (WMO): „Höhere Temperaturen führen zu einer höheren Luftfeuchtigkeit und damit zu intensiveren Niederschlägen mit katastrophalen Schäden an der Infrastruktur.“

Im Detail bedeutet das: Nach einer Dürreperiode, wenn die Böden fest und trocken sind, können sie die plötzliche Wassermasse eines Starkregens kaum aufnehmen. Das Wasser versickert nicht im Boden, sondern fließt ab, Flüsse schwellen an. Überflutung, Muren und Erosion sind oft die Folgen. In Deutschland ist noch die Jahrhundertflut an Donau, Moldau und Elbe im Jahr 2002 mit 37 Todesopfern und ca. 15 Milliarden Euro an ökonomischen Verlusten gut in Erinnerung. Zuletzt war es 2021 die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bzw. die Überflutungskatastrophe, das Mitte des Jahres 2021 große Teile Österreichs betraf.

Wirtschaftlichen Folgen

Auf Überflutungs- bzw. Unwetterkatastrophen, die oft ganze Landstriche oder sogar Orte und Städte verwüsten und Schäden in Millionen- bzw. Milliardenhöhe verursachen, folgen Aufräumungsarbeiten. Laut Experten belaufen sich die ökonomischen Verluste durch Hochwasser weltweit auf rund 110 Milliarden jährlich. Dabei haben China (42 %) und Europa (22 %) die größten Anteile. Eine globale Erwärmung um 3 °C wird nach Modellberechnungen eine Zunahme dieser Verluste auf 1250 Milliarden Euro bzw. um mehr als das Zehnfache bewirken. Hochwasserschäden in Asien werden dabei um über 70 Prozent zunehmen.

Von Wolfgang Wonesch

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