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Mit dem Öko-Solar-Biotop in Pöchlarn gibt es gutes Gemüse und grünen Strom gleichzeitig

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Von: Christian Kisler

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Montage: Luftaufnahme eines Photovoltaikfelds, Bauer bei der Arbeit auf einem Feld unter Solarpaneelen
Agrar-Photovoltaik, also der gemeinsamen Nutzung einer Ackerfläche für Landwirtschaft und Stromerzeugung, gehört die Zukunft. © Daniel Waschnig Photography/Westend61/Zhang Mao/AP/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Gleichzeitig grünen Strom erzeugen und Obst sowie Gemüse anbauen, das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Im niederösterreichischen Pöchlarn soll mittels eines Öko-Solar-Biotops genau das erreicht werden.

Die Zeit drängt. Dann soll der gesamte Energiebedarf Österreichs mit erneuerbaren Energien gedeckt werden können. Atomstrom, auch wenn er noch so grün sein sollte, scheidet dabei ja völlig aus. Dennoch ist man hierzulande gut unterwegs, man setzt auf Wasserkraft, Wind und Biomasse. Um das Kraut fett zu machen, fehlt aber etwas. Richtig, die liebe Sonne soll uns nicht nur wärmen, was sie dank Klimakrise ohnehin mehr tun wird, als uns lieb ist. Mittels Photovoltaik soll sie auch - vereinfacht ausgedrückt - für Energie sorgen. Derartige Anlagen sind ja nicht mehr selten, sowohl auf Privathäusern oder etwa Schuldächern sind sie zu finden. Da in Österreich ohnehin viel Freifläche versiegelt, also zubetoniert wird, kann diese ja auch gleich zur Stromerzeugung genutzt werden. Das ist eine Möglichkeit.

Die andere Möglichkeit: sogenannte Agrar-Phtovoltaik. Der Name lässt es vermuten: Auf Ackerland wird gleichzeitig Landwirtschaft betrieben und Energie gewonnen. Im niederösterreichischen Pöchlarn gibt es genug Agrarflächen, so ist es nur logisch, dass genau dort ein ganz besonderes Pilotprojekt startet: ein Öko-Solar-Biotop. Verantwortlich zeichnet RWA Solar Solutions, eine Tochter der RWA Raiffeisen Ware Austria, was jetzt nicht ganz sooo erstaunlich ist, hat Raiffeisen in Niederösterreich bald einmal ihre Finger im Spiel. Umso besser, wenn man sich dort Gedanken über zukünftige Energieerzeugungsmöglichkeiten macht, umweltfreundliche noch dazu.

10.000 Solarpaneele und Gemüse

Jedenfalls hat man in besagtem Pöchlarn eine Photovoltaik-Anlage mit nicht weniger als 10.000 Solarpaneelen erreichtet, und zwar am Gelände der Tiernahrungsfirma Garant, ebenfalls ein großer Player. Auf der Fläche, die ungefähr so groß ist wie acht Fußballfelder, kann in etwa die Hälfte des Stromverbrauchs von Garant erzeugt werden, nur mit Sonnenlicht und ohne Platz zu vergeuden. Das Öko-Solar-Biotop wird dabei in zwei Bereiche aufgeteilt. Der Großteil, etwa 90 Prozent, ist Paneelen vorbehalten, die nach Süden ausgerichtet und deren Neigung fix ist. Das ist sinnvoll, bekommen sie so die meiste Sonne ab. Wichtig: Die Solarzellen sind nicht am Boden montiert, sondern auf Stelzen, sodass darunter reichlich Platz zur Zucht von Obst und Gemüse ist. Sonst würde das Konzept ja auch nicht funktionieren und wäre wenig sinnvoll.

Auf der Fläche darunter wird eine artenreiche Saatgutmischung gestreut, am Rand befindet sich eine sogenannte Biodiversitätshecke. Eine feine Sache, wird so doch ein wertvoller Lebensraum für Insekten, Vögel, Schmetterlinge, Amphibien und kleine Säugetiere geschaffen. Zur Versiegelung, also zu Betonflächen, kommt es übrigens nicht, dafür sorgt eine besondere Art der Montage der Solarpaneele, die garantiert, dass Regenwasser fließen kann, um sich nicht zu sammeln und dem Ackerboden zu schaden. Übrigens wird hier nicht ohne wissenschaftlichen Hintergrund vor sich hin gewerkelt, die Biodiversitätsfläche wird im Laufe der nächsten Jahre von der BOKU, der Universität für Bodenkultur, ständig untersucht.

Im Öko-Solar-Biotop werden drei verschiedene Modelle der Agrar-Photovoltaik getestet

Und was ist mit den restlichen 10 Prozent? Hier will man gleich drei verschiedene Modelle der Agrar-Photovoltaik testen. Bei der Benennung der einzelnen Versuchsanordnungen war man allerdings besonders kreativ. Bei der „Wanderfrucht“ sind die Solarpaneele drehbar, die Fläche ist für die Bewirtschaftung mit Traktoren ausgelegt. „Südernte“ wiederum steht für die Ernte mit Mähdrescher, die Paneele sind also besonders hoch angelegt. Zu guter Letzt die „Powerkultur“, bei der Obstbäume und Sträucher gedeihen sollen.

Auf dem gesamten Öko-Solar-Biotop in Pöchlarn erfüllen die Sonnenlichtkollektoren nicht nur den Zweck, Strom zu erzeugen. Das alleine wäre schon bemerkenswert genug. Nein, sie schützen Boden und junge, noch empfindliche Pflanzen vor extremer Sonnenbestrahlung, Starkregen oder Hagel. Sollten das Öko-Solar-Biotop tatsächlich halten, was es bis jetzt verspricht, kann es gerne Schule machen.

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