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Eine österreichische Uni verwandelt Methan in klimafreundlichen Wasserstoff

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Von: Sophie Marie Unger

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Wasserstoff als Energieträger der Zukunft an der Montanuni in Leoben
An der Montanuniversität in Leoben forscht man an der Wasserstoff-Herstellung. Auch Ministerin Köstinger ist begeistert. © Armin Russold/APA Picturedesk

Methan soll schon bald dazu beitragen, Wasserstoff in großen Mengen zu produzieren. Die Montanuniversität in Leoben macht große Fortschritte dazu.

Wie können eigentlich klimaschädliche Abfallprodukte doch noch zu Klimarettern werden? Mit dieser Frage setzen sich derzeit Forschungsprojekte auf der ganzen Welt auseinander. Auch in Österreich tüftelt man herum und hat zuletzt extreme Fortschritte gemacht. So hat etwa ein Grazer Start-up einen Vorgang entwickelt, bei dem aus CO2 Proteine entstehen, die sogar für Lebensmittel eingesetzt werden können. Die Montanuniversität in Leoben hat nun die nächste Lösung parat: ein Pyrolyseverfahren, das Methan emissionsfrei in Wasserstoff verwandelt. Doch warum ist das so bahnbrechend?

Methan ist schlimmer als CO2

Kohlenstoffdioxid, kurz CO2, ist wohl der prominenteste Klimaschädling im Diskurs der vergangenen zehn Jahre. Auch Methan, CH4, taucht im Klimakontext immer wieder auf. Was einigen vielleicht nicht ganz bewusst ist: Methan ist etwa 28 Mal schädlicher als sein Treibhausbuddy CO2. Deshalb gilt es, Methan nicht einfach so in die Atmosphäre zu entlassen, wie es etwa Kühe beim Rülpsen tun, sondern zu vermeiden oder anderweitig zu nutzen. Das Gute: in Methan steckt neben Kohlenstoff auch Wasserstoff. Letzteres spielt laut Forschung ja bereits eine große Rolle bei der Energiewende.

Hohe Erwartungen an Wasserstoff

Er soll Autos zum Fahren bringen, Produktionsprozesse in der Industrie ermöglichen und Energie speichern: Das alles erwartet man vom Wasserstoff. Er ist zugegebenermaßen klimatechnisch extrem attraktiv, weil er nur Wasser emittiert - sonst nichts. Doch seine Produktion ist bislang selbst nicht sehr umweltfreundlich, denn der größte Anteil des bisher genutzten Wasserstoffs stammt aus chemischen Fabriken, wo er als sogenannter Beifang anfällt. Diese Fabriken beziehen ihren Strom meist aus Kohle. Die Montanuni in Leoben hat nun einen alternativen Erzeugungsweg für erneuerbaren Wasserstoff gefunden.

Methan-Protolyse ist vielversprechend

Laut Montanuniversität Leoben lautet der Zauberweg Methan-Protolyse. Dabei wird unter sehr geringem Energieaufwand der Rohstoff Methan emissionsfrei in Wasser- und Kohlenstoff zerlegt. Der dabei entstehende Kohlenstoff, also Carbon, ist fest - das ist revolutionär, denn bei älteren Verfahren wurde durch Methan zwar auch Wasserstoff gewonnen, als Abfallprodukt entstand jedoch Kohlenstoffdioxid, was wiederum den Treibhauseffekt verstärkt.

Konkret geht es um die Metallbad-Pyrolyse, die auch das Problem der großen Skalierbarkeit beseitigen könnte. Bislang konnten nur kleinere Mengen an Wasserstoff gewonnen werden, weshalb er auch so teuer ist. Die neue Methode ist eine energetisch günstige Möglichkeit zur Herstellung von großen Mengen an Wasserstoff. Deshalb will die Montanuni gemeinsam mit einigen Kooperationspartnern das Methanpyrolyseverfahren in den industriellen Maßstab überführen.

Auch Carbon ist nützlich

Auch der derzeit knappe und wichtige Rohstoff Carbon wird gewonnen. Er ist für die nachhaltige Produktion von Baustrukturen, Batterien, Computerchips, Kohlenstofffasern und für die Herstellung carbonbasierter Strukturen und Materialien essentiell. Eine Modifikationen von Carbon ist dabei Graphen, laut Montanuni ein „zweidimensionaler Zukunftswerkstoff“. Dieser ist ultradünn, leicht, stabil und leitend.

Montanuni erhält Förderung

Zuletzt besuchte auch Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger das Resources Innovation Center der Montanuniversität Leoben. „Krisensicherheit verlangt Rohstoffe. Nicht alle Rohstoffe sind überall unendlich verfügbar, daher ist das Resources Innovation Center der Montanuniversität Leoben eine wichtige Institution, die wir mit drei Millionen Euro in ihrer Arbeit unterstützen“, so Köstinger. 

Auch diese genialen Erfindungen tragen künftig zum Klimaschutz bei.

 

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