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Norbert Totschnig ist neuer Landwirtschaftsminister, erste Baustelle sollte Österreichs Schweinefleisch sein

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Von: Johannes Pressler

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Norbert Totschnig bei der Angelobung zum neuen Landwirtschaftsminister in der Wiener Hofburg.
Seit Mittwoch (18. Mai) hat Österreich mit Norbert Totschnig offiziell einen neuen Landwirtschaftsminister. © Roland Schlager/APA-PictureDesk

Nach überstandener COVID-19-Infektion nun offiziell angelobt, sollte sich Landwirtschaftsminister Totschnig gleich der problematischen Fleischproduktion in Österreich widmen.

Eigentlich hätte das Ganze schon letzte Woche unter Dach und Fach sein sollen, doch aufgrund einer Corona-Infektion musste Norbert Totschnig im Vergleich zu den anderen neuen Mitglieder:innen des ÖVP-Regierungsteams eine Woche länger warten. Am Mittwoch (18. Mai) war es aber nun auch für den Tiroler in der Wiener Hofburg soweit und Totschnig wurde von Bundespräsident Alexander Van der Bellen zum neuen Landwirtschaftsminister angelobt. Eine Schonfrist wird es für den zuvorigen Präsidenten des Österreichischen Bauernbundes jedoch definitiv keine geben, zu viele Baustellen gibt es im Bereich der Landwirtschaft.

Norbert Totschnig: Erwartungen an neuen Landwirtschaftsminister sind hoch

Noch nicht einmal einen Tag im Amt, sind die Erwartungshaltungen am neuen Landwirtschaftsminister hochgesteckt. Bereits bei seiner Angelobung wies Bundespräsident Van der Bellen auf die größten Herausforderungen hin, die Totschnig vor sich haben würde: die Klimakrise und die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs. Das von Russland angegriffene Land sei nämlich eine der „Kornkammern der Welt“. Sollte sich die Lage nicht verbessern, könnte es weltweit zu einem Getreidemangel kommen.

Ebenfalls nicht lange auf sich warten ließen die Türschützer:innen in Österreich, allen voran der Verein gegen Tierfabriken. Erst vor wenigen Wochen demonstrierten die Aktivist:innen in Kärnten vor der Landwirtschaftskammer und kamen sich dabei mit der Polizei in die Quere. BuzzFeed Austria hat darüber bereits ausführlich berichtet. Vom Neo-Minister fordert der Verein auf, ein Vollspaltenböden in der Schweinehaltung komplett zu verbieten. Gemeinsam mit 50 anderen Organisationen teilte man Totschnig in einem offenen Brief mit, dass es „eine echte Agrarwende“ bräuchte.

Greenpeace kritisiert Qualität österreichischen Schweinefleischs

In Verbindung mit den Forderungen des Vereins gegen Tierfabriken sollte sich Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig gleich zu Beginn mit einem Bericht auseinandersetzten, den die Umweltschutz-NGO Greenpeace vor wenigen Tagen veröffentlicht hat. Die Haltungsbedingungen für Schweine in Österreich wurden dabei mit jenen in Deutschland verglichen. Das Ergebnis ist erschütternd: Laut Greenpeace würden mindestens 90 Prozent (!) des österreichischen Schweinefleischs nicht einmal den Anforderungen entsprechen, die es für den Verkauf in deutschen Supermärkten bräuchte. Das betreffe sogar Produkte, die das AMA-Gütesiegel tragen.

AMA-Marketing reagierte prompt auf den Greenpeace-Bericht und wies in einer Presseaussendung darauf hin, dass man die Tierhaltung bei einem Vergleich verschiedener Systeme ganzheitlich betrachten müsse. Grund seien die „unterschiedlichen nationalen Anforderungen“. Bereits vor genau einem Jahr sagte die damalige ÖVP-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger in einem Interview mit der Wochenzeitung „profil“, dass Fleisch hierzulande um ein Drittel teurer sein müsste: „Wir haben Griller um 800 Euro im Garten stehen und legen eine Bratwurst um 80 Cent drauf. Das ist pervers.“ Getan hat sich seitdem nicht wirklich was. Der Greenpeace-Bericht sollte für den frisch gebackenen Nachfolger Totschnig Anlass genug sein und schnellstmöglich für eine Verbesserung der österreichischen Schweinehaltung sorgen.

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