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Ein Start-Up macht wegen der Klimakrise aus der Not eine Tugend und baut Oliven im Burgenland an

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Von: Christian Kisler

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Montage: Die Flagge vom Burgenland, Oliven auf dem Bildschirm eines Smartphones
Die Agro Rebels bauen Oliven im Burgenland an. © Robert Jaeger/Emma Innocenti/Westend61/APA-PictureDesk

Ein Olivenhain in der pannonischen Tiefebene? Das ist keine Zukunftsvision, das ist bereits Wirklichkeit. Verantwortlich dafür ist das burgenländische Start-up Agro Rebels, das der Klimakrise die kalte Schulter zeigt.

Vor einigen Jahren war ich eineinhalb Wochen in Apulien, habe mir diese südöstliche Region Italiens angeschaut. Das ist ohne Zweifel einer der schönsten Flecken auf dieser Erde, mit Sicherheit aber in Europa. Was mir sehr schnell klar wurde: Hier wachsen Olivenbäume in einem Ausmaß wie in der niederösterreichischen Wachau Marillenbäume. Klar, ist man versucht zu sagen, hier herrschen ja auch ganz andere klimatische Bedingungen, kein Wunder, dass Oliven, dieses kleine salzige Fruchtgemüse, aus Ländern wie Spanien, Griechenland, Albanien, Tunesien oder eben Italien kommt. Aus dem Süden halt. Nur blöd halt, dass uns die Klimakrise voll im Griff hat und diesen Griff nicht lockern wird, im Gegenteil. Nicht, wenn nicht bald ein gewaltiges Umdenken stattfindet. Das wird ja schließlich an allen Ecken und Enden verkündet.

Die Klimakrise wird 2030 in Österreich für Temperaturen wie heute in Südeuropa sorgen

So aber ist es nicht unwahrscheinlich, dass bereits 2030 in Österreich Temperaturen herrschen wie heute in Teilen Südeuropas. Dass es immer heißer und trockener wird, ist nicht die weltbewegende Neuigkeit, das spürst du immer öfter am eigenen Leib, spätestens Jahr für Jahr im Sommer. Dann wird es nicht nur in den Städten nahezu unerträglich, auch in ländlichen Gebieten. Das stellt heimische Landwirt:innen einerseits vor enorme Herausforderungen, eröffnet andererseits neue Chancen. Denn dort, wo der Boden nicht mehr genug Nährstoffe bereithält, weil er eben ausgetrocknet ist, lassen sich zwar nicht mehr Äpfel und Weizen anbauen. Aber eben andere für die Menschheit ganz nützliche Pflanzen.

Genau da setzen die Agro Rebels an, ein junges Start-up, das von Wien und dem Burgenland aus arbeitet. Daniel Rössler, Lukas Hecke und Markus Fink haben sich zum Ziel gesetzt, für die hiesige Landwirtschaft Exotisches wie Oliven und in weiterer Folge auch Feigen nach Österreich zu bringen. So sollen sich für die von der Klimakrise gebeutelten Bäuerinnen und Bauern neue Einnahmequellen erschließen. „In Zukunft werden wir in Österreich Produkte im großen Stil anbauen können, die es bisher nur im mediterranen Ausland gab“, so Hecke in einer Aussendung. Um diese neuen Produkte ausfindig zu machen, hat das Start-up regionale Klimadaten und -prognosen analysiert, passende Sorten herausgefunden und sie schließlich in eigenen Test-Feldern eingepflanzt. Mit Landwirt:innen als Partner:innen wurden diese dann erfolgreich und in größerem Stil angebaut. Und als erstes versuchte man sich eben an der Olive, die Feige wird folgen.

In Mörbisch gibt es jetzt großflächig angelegte Olivenhaine

Die Rede ist dabei allerdings nicht von einer Handvoll Olivenbäumen, sondern von großflächig angelegten Olivenhainen. Wichtig für diese Exoten ist, dass sie der Klimakrise standhalten und den heimischen Landwirt:innen auch über Generationen hinweg noch Erträge bringen. Gerade da ist der Olivenbaum eine gute Wahl. Zwar dauert es bis zu sieben Jahre, dass man nicht „nur“ seine Früchte ernten kann, das geht schon heuer. Aber Olivenöl, das dauert eine Weile. Dafür sind die Bäume Hunderte Jahre ertragreich, sind sie doch ziemlich genügsam. „Der Klimawandel ist für alle ein Problem: für den Bauern in Afrika genauso wie für den Bauern in Österreich“, so Rössler. Nur, dass man sich eben nicht kampflos geschlagen geben wird.

„Eine Mission, drei Gründer, 50 Jahre Erfahrung. Wir haben mit Bauern in Afrika, Asien und Osteuropa gearbeitet. Wir haben Lieferketten in den herausforderndsten Regionen der Welt aufgebaut. Wir haben Pflanzen sogar im Weltall erforscht. Damit sollten wir‘s auch in Österreich schaffen“, geben sich die Agro Rebels auf ihrer Website zuversichtlich. Konkret wird mit Landwirt:innen in Mörbisch zusammengearbeitet, da dort die klimatischen und landwirtschaftlichen Bedingungen ideal sind - wegen der Änderungen in den letzten Jahren, eigentlich zuungunsten der Bäuerinnen und Bauern. 2020 wurden bereits die ersten Bäume gesetzt, was heuer in der ersten Ernte essbarer Oliven resultierte. Aber aus der Not lässt sich auch eine Tugend machen, wie es so schön heißt. Rössler, Hecke und Fink drehen den Spieß einfache um: „Der Klimawandel macht nix mit uns - wir machen was mit ihm. Ziemlich leckere, ungewöhnliche und nachhaltige Produkte nämlich. Und eine Klima-Anpassung, die uns allen schmeckt.“ Das sind gar nicht so schlechte Aussichten, wenn auch mit bitterem Beigeschmack. Wie die Olive selbst.

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