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Ein Wiener Teich bekommt eine Wasserleitung, damit er nicht austrocknet

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Von: Christian Kisler

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Montage: ein laufender Wasserhahn in einem Garten, ein Mädchen hält die Beine in den Pappelteich mit vielen Kaulquappen
Der Pappelteich mit all seinen Wasserbewohnern soll mithilfe einer Wasserleitung vorm Austrocknen bewahrt werden. © Martin Bäuml Fotodesign/Imago/Wiener Wildnis/MA 25/BuzzFeed

Dass die Klimakrise nicht nur im großen, sondern auch im kleinen Maßstab zuschlägt, zeigt der Wiener Pappelteich. Weil er im Sommer regelmäßig auszutrocknen droht, bekommt er nun eine eigene Wasserleitung.

Dass der Pappelteich in Wien-Liesing nicht unbedingt ein Naturgewässer ist, sieht man auf den ersten Blick. Der etwa 30 Meter lange und etwa 15 Meter breite Teich im Maurer Wald ist rechteckig und mit einer Uferbefestigung aus Beton und Ziegeln versehen. Allerdings befindet er sich schon so lange dort, dass seine Anwesenheit zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Angelegt wurde er bereits im 18. Jahrhundert als sogenannter Landschaftsteich, und zwar an einer Stelle, die davor eine „vernässte Senke“ war. Logisch, dass der Pappelteich seinen Namen von den unweit seines Ufers wachsenden Pappeln hat. Irgendwie sieht er ja wie ein zu groß geratener Swimmingpool mit Naturwasser, der jeder Menge Grünzeug, am auffälligsten die Seerose, und Wasserbewohnern einen Lebensraum bietet. Und tatsächlich war er das auch, ein Badegewässer nämlich, so um 1940, als er auch seinen Beton- und Ziegel-Beckenrand erhielt.

Der Pappelteich ist ein beliebtes Ausflugsziel

Heute ist der Pappelteich ein beliebtes Ausflugsziel. Ich war als Kind mit meinen Eltern öfters dort. Als melancholischer Teenager habe ich mich vor allem im späteren Herbst mit jungen Frauen in meinem Alter dort getroffen, wo wir dann in unseren schwarzen Wollmänteln Zeit verbrachten. Geld für Café-Besuche war knapp und mit kleinen Geschwistern schied das traute Heim auch dann aus, wenn die Eltern nicht zu Hause waren. Also in jenen Flecken Natur, der dank des Beton-Ziegel-Beckenrands doch auch irgendwie einen leicht industriellen Charme in sich barg.

Wie auch immer, wenn du in den letzten Jahren im Sommer den Pappelteich besucht hast, dann wirst du festgestellt haben, dass auch er ein Opfer der Klimakrise geworden ist. Der Wasserstand ist derart gesunken, dass Teile nahezu ausgetrocknet sind. Das Problem: Der künstliche Teich hat keinen natürlichen Zufluss, sondern ist auf Regenwasser angewiesen.

Früher wurde er durch eine kleine Quelle gespeist, die wurde aber durch den Betonbeckenrand vom Pappelteich abgeschnitten. Der Zufluss wurde dadurch unterbrochen. „In den letzten Jahren haben wir den Teich mehrmals mit Wasser aus Tankwägen aufgefüllt. Doch diese provisorische Maßnahme war keine Dauerlösung, daher wird nun eine Trinkwasserleitung verlegt“, so Gerald Loew, Leiter der Wiener Gewässer.

Der Pappelteich liegt im Naturschutzgebiet

Richtig, der Pappelteich bekommt eine eigene Wasserleitung mit dem kühlen Nass, das in dieser Qualität auch aus dem Wasserhahn in deiner Wohnung fließt. Zumindest, wenn du in Wien wohnst. Immerhin liegt das Gewässer sowohl im Natura 2000 Europaschutzgebiet als auch im Landschaftsschutzgebiet Liesing im 23. Wiener Gemeindebezirk. Außerdem bietet er wertvollen Lebensraum für eine Unmenge an Wasserbewohnern. Nicht nur das, der Pappelteich dient Amphibien wie der Erdkröte, dem Teichmolch, dem Bergmolch oder der Gelbbauchunke als Laichgewässer. Auch Enten und Ringelnattern nennen den Teich und sein Umfeld ihr Zuhause.

Die Wasserleitung hat demnächst ihren Ursprung bei der Zufahrt zum Parkplatz bei der Anton-Krieger-Gasse, von dort wird sie entlang des Spazierweges bis zum Waldspielplatz und schließlich zum Pappelteich geführt werden. Für die Errichtung der Wasserleitung wurden Kosten in der Höhe von 100.000 Euro veranschlagt. Gut investiertes Geld, auf dass sich auch nachfolgende Generationen melancholischer Teenager in schwarzen Wollmänteln an seinem Ufer treffen können. Und Eltern mit ihren Kindern ein nettes Ausflugsziel haben. Und sowieso alle was von diesem ganz besonderen Teich haben.

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