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Überall Kurzparkzone, zehntausende freie Parkplätze und die Stadt Wien hat noch immer keine Pläne

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Von: Christian Kisler

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Montage: Ein Parkverbotsverkehrsschild, ein Parkpickerl
Zehntausende Parkplätze sind durch das wienweit verpflichtende Parkplickerl frei geworden. © Franz Gruber/KURIER/Weingartner-Foto/PictureDesk/BuzzFeed Austria

Parkpickerl, Rad-Highway: Immer mehr Parkplätze in Wien fallen weg oder verwaisen. Eine großartige Gelegenheit also, den gewonnen Raum neu zu nutzen. Passiert ist aber bis dato nichts.

Erinnerst du dich noch? Es war Anfang Februar, da hat Ulli Sima noch vollmundig Wiens ersten Rad-Highway präsentiert, der vom 22. Bezirk in die Innere Stadt führen soll. Sima, seit Herbst 2020 Stadträtin für Innovation, Stadtplanung und Mobilität, kurz Verkehrsstadträtin, kündigte an, dass im Zuge dessen die angrenzenden Grätzel „cooler“ gemacht und entlang des Rad-Highways neue Grünflächen entstehen sowie Bäume gepflanzt werden würden. Dass dem Unterfangen Parkplätze zum Opfer fallen werden, versteht sich von selbst.

Ein weiterer Vorstoß Simas, bisschen fragwürdiger, aber immerhin der Hauch einer Idee: die Verbauung des Parkplatzes am Wiener Naschmarkt an der Grenze vom 5. zum 6. Bezirk zu einer Markthalle nach Londoner Vorbild. Kritik seitens der Anrainer:innen von beiden Seiten des Wienflusses war ihr gewiss. Für die versiegelte Betonwüste, eine von vielen in der Stadt, nein, im ganzen Land, gibt es schließlich seit Jahren nachhaltige Begrünungskonzepte.

Wir sehen also, mit mehr oder weniger freigewordenen Parkplätzen lässt sich durchaus etwas anfangen. Sei es die Umgestaltung zu Radwegen, zu Grünlagen oder dem Pflanzen von Bäumen. Der Verkehr in Wien soll ohnehin bis 2030 halbiert werden, wie im Klimafahrplan der Stadtregierung festgeschrieben steht. Ein ehrgeiziges Projekt, bis dahin sind es ja nur noch acht Jahre. Die können schnell vergehen. Vor allem bei dem Tempo, das dabei vorgelegt wird. Das ist nämlich eher langsam, vorsichtig gesagt. Seit zwei Monaten etwa gibt es in der ganzen Stadt die sogenannte flächendeckende Parkraumbewirtschaftung. Soll heißen: Es gilt überall das Parkpickerl, außer in einigen wenigen Randzonen. Auch im Speckgürtel, im Wiener Umland, werden jetzt zunehmend Kurzparkzonen eingeführt, weil immer mehr Pendler:innen auf dem Weg in die Arbeit ihre Autos dort stehen haben lassen.

Der neue Parkraum kann auf viele Arten genutzt werde

Jedenfalls wurden in Wien 135.500 Parkpickerln bei 244.000 kostenpflichtigen öffentlichen Stellplätzen beantragt. Schon im Vorfeld ist die Stadt Wien davon ausgegangen, dass dadurch 76.000 Parkplätze frei werden und verwaisen. Daraus ergeben sich viele Möglichkeiten, wie der neue Parkraum genutzt werden kann, etwa für Hochbeete, und zwar um das gleiche Geld, um das du dein Auto in Wien parken kannst. Das gilt für die freien Plätze in den inneren Bezirken, die immer noch begehrt sind. Gerade in Flächenbezirken wie etwa Floridsdorf und der Donaustadt ergeben sich neue Betonwüsten, die förmlich nach einer Umwidmung und Umgestaltung schreien.

Passiert ist aber noch immer nichts. Ulli Sima und ihr Büro haben keine Ideen, keine Pläne vorzuweisen, obwohl die flächendeckende Parkraumbewirtschaftung in Kraft ist und man davon ja nicht über Nacht überrascht worden ist. Man hätte schon Monate davor evaluieren und sich neue Verwendungsmöglichkeiten, vor allem mit viel in Wien notwendigem Grün ausdenken können. Aber nein, die Sachlage wird erst jetzt untersucht und unter die Lupe genommen.

Einzige Entschuldigung: Man hat tatsächlich nicht voraussehen können, dass weniger Parkpickerl beantragt wurden wie prognostiziert, da mehr Menschen private Stellplätze haben als angenommen. Für solche Fälle hab ich mich aber in der Oberstufe mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen geplagt. Es ist also an der Zeit, in die Gänge zu kommen, schließlich hat unter anderem das Parkpickerl dazu beigetragen, dass weniger Autos unterwegs sind. Angesichts der voranschreitenden Klimakrise nicht das schlechteste.

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