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Die Jagd auf Füchse im Wiener Stadtgebiet muss komplett verboten werden

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Von: Christian Kisler

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Ein Jäger mit einem Gewehr, ein Rotfuchs, der vom Boden frisst.
Die Jagd auf Rotfüchse in Wien soll verboten werden © teutopress/IMAGO/Kurt Kracher/imageBROKER/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Nicht nur in ländlichen Gegenden Österreichs gibt es Füchse, auch in Städten wie Wien. Und wie am Land werden die nützlichen Kleintiere auch hier gejagt. Rufe nach einem Jagdverbot werden laut. Zu Recht.

Vielleicht hast auch du in deinem Freund:innen- oder Bekanntenkreis eine Person, die sich schon einmal einen Fuchs als Haustier gewünscht hat. Ich jedenfalls kenne solche Menschen. Allerdings kenne ich auch welche, die Raben und Krähen als gefiederte Freunde haben, und das ist schon mal weniger cute. Denn putzig anzuschauen sind Füchse ja schon.

Und wer einen Fuchs schon mal in freier Wildbahn gesehen hat, wird genau wie ich überrascht gewesen sein, wie klein die menschenscheuen Tiere eigentlich sind. Nicht selten werden sie in der Abenddämmerung für Katzen gehalten, denn zugegeben: Ihr Bellen erinnert mehr an das Fauchen von Stubentigern als an das Gebell von Hunden. Genau das ist der Fuchs, eigentlich der Rotfuchs, wissenschaftlicher Name „vulpes vulpes“: ein kleiner Wildhund. Und damit verwandt mit Schakalen, Kojoten und Wölfen. Wobei sich nicht der kleine, flinke, scheue Jäger, der Fuchs, domestizieren hat lassen, sondern der große, ehrfurchtgebietende Wolf.

Füchse wurden von Jägern zu Gejagten

Der Rotfuchs hat schon gewusst, warum er den Menschen eher meiden soll, wurde der Jäger doch bald zum Gejagten. Er galt als verschlagen und listig, wurde wie eigentlich so ziemlich alle Tiere mit menschlichen Eigenschaften bedacht. In der Bibel, einem Werk, das ja doch einen beachtlichen Einfluss auf einen großen Teil der Menschheit hat(te), kommt er ebenfalls nicht gut weg und wird gar zum Sinnbild für Sünde: klein, zurückhaltend, flott und dann auch noch ein rotes Fell. Kann ja gar nichts Gutes im Schilde führen.

„Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ kennst du bestimmt aus deiner Kindheit. Das kannten schon deine Eltern, deine Großeltern, deine Urgroßeltern, gibt es das Lied doch schon seit 1824. Dass der Fuchs aber nicht gänzlich schlecht beleumdet ist, erkennt man schon an der Redewendung „schlau wie ein Fuchs“. Und daran, dass Disney die Titelfigur in seiner Zeichentrickversion von „Robin Hood“ womit besetzte? Richtig, mit einem Fuchs.

Nach dem Abschuss einer Fuchsfamilie kam eine Petition gegen die Jagd auf Füchse

Nichtsdestotrotz wird er immer noch fleißig bejagt, auch in Österreich. Und da interessanterweise in Wien, öfter auch nicht ganz legal. Nach dem Abschuss einer ganzen Fuchsfamilie in Strebersdorf im Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf im Sommer 2021 wurde im darauffolgenden Herbst eine Petition gegen die Jagd auf Füchse gestartet. Unterstützt vom Tierschutz Austria hat sie die nötigen 500 Unterschriften schnell erreicht und muss nun im Wiener Gemeinderat behandelt werden.

Dabei werden Rotfüchse ohnehin schon nur in Ausnahmefällen legal gejagt, in fast allen Fällen unnötig. Die Universität für Bodenkultur etwa fordert, dass Jäger:innen begründen müssen, warum sie das jeweilige Tier erlegt haben und welche positive Auswirkung das etwa auf die nähere Umwelt haben könnte. Das ist über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte nicht geschehen und wurde nach Gutdünken gemacht. Füchse werden etwa als Gefahr für Bodenbrüter wie etwa Rebhühner gehandelt. Bedroht werden diese tatsächlich, allerdings vom aus Nordamerika eingewanderten Waschbären.

Füchse sind kein Freiwild, sondern dienen als Gesundheitspolizei

In einer Aussendung betont Tierschutz Austria, dass in großen Teilen Wiens schon erkannt wurde, dass Füchse nicht einfach Freiwild seien. „Prater, Donauinsel, Zentralfriedhof, Lobau, Lainzer Tiergarten, Augarten, Schönbrunn und alle anderen große Parks sind ein Beispiel, dass eine Bestandsregulierung der Füchse nicht erforderlich ist. Dort leben Füchse frei von jagdlichem Nachstellen und es gibt weder eine Überpopulation, noch sind Tierseuchen ausgebrochen.“ Die Tollwut gilt in Österreich seit 2008 als ausgerottet, das Bild vom Fuchs als Krankheitsüberträger ist schlicht veraltet.

Im Gegenteil: Füchse sind für ein funktionierendes Ökosystem immens wichtig, sie gelten als Gesundheitspolizei und vertilgen auch kranke Tiere. Da auf ihrem Speiseplan in erster Linie Mäuse und Ratten stehen, sorgen sie dafür, dass es bei den Nagern nicht zu Überpopulation kommt. Ist auch umweltfreundlicher als Giftköder auszulegen, die dann vielleicht ein Hund frisst, der dann daran zugrunde geht.

Mehrere tausend Füchse in Wien

In Wien leben derzeit mehrerer tausend Rotfüchse. Nicht nur aufgrund ihres scheuen Verhaltens, sondern auch der unkontrollierten Bejagung wegen, sind genaue Zahlen schwer zu ermitteln. Dass sie überhaupt in die Nähe der Stadt kommen, liegt an höheren Temperaturen als im Umland sowie genügend Nahrung und Wasser. Immerhin wird auf sie nicht hoch zu Ross und mit Hunden Jagd auf sie gemacht wie in Großbritannien. Dort wird derzeit gegen ein Jagdverbot Stimmung gemacht.

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