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Saharastaub kommt nach Österreich, färbt den Himmel gelb und rot - tut dem Klima aber nix Böses

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Von: Christian Kisler

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Montage: Von Saharastaub gelb gefärbter Himmel in den Alpen, Kamele in der Sahara
Saharastaub sorgt für einen spektakulären Himmel auch in unseren Breiten. © Jan Eifert/ZUMA Wire/Imago/BuzzFeed Austria

Roter und gelber Himmel, schmutzige Fenster, Blutregen, Feinstaubbelastung: All das verursacht der Saharastaub, der jetzt wieder einmal in Österreich angekommen ist.

Angesichts all der Krisen, mit der wir alle beschäftigt sind, könnte man leicht glauben, die Apokalypse ist da. Zumindest, wenn man in den Himmel blickt. Der weist dieser Tage mancherorts eine deutliche Gelbtönung auf, in der Früh und am Abend kann man sich an einem schönen Rot in der Dämmerung erfreuen. Also doch keine Apokalypse. Stattdessen ein Wetterphänomen, dass sich im Alpenraum und damit natürlich auch in Österreich regelmäßig ereignet, meist zwischen März und Juni. Somit sind wir heuer quasi pünktlich.

Saharastaub kommt eigentlich mehrmals im Jahr zu uns

Rein äußerlich macht sich der Saharastaub eben in der Färbung des Himmels bemerkbar, da die feinen Partikel aus Nordafrika in mehreren Kilometern Lufthöhe zu uns verfrachtet werden. Zuvor wird in der Sahara, der größten Trockenwüste der Erde, Wüstensand aufgewirbelt und in die Atmosphäre gehoben. So ungewöhnlich, wie man glauben könnte, ist die Erscheinung nicht. Mehrmals im Jahr gelangt Saharastaub in unsere Breiten, nur meist in sehr geringen Mengen. Ist es mehr, macht sich das auch als Ablagerung auf Fenstern und Autos bemerkbar. Und kommt es zu Regen, dann vermischt sich das herabfallende Wasser mit den Partikeln. Die Folge ist ein rostroter Ton, sogenannter Blutregen. Den können wir gut brauchen, ist es bis dato doch viel zu trocken für März.

Feinstaub ist in der Regel nicht gerade wünschenswert, mit den durch Industrie und Verkehr ausgestoßenen Mengen hat aber jener aus Nordafrika stammende nichts zu tun. Entsprechend wenig schädlich ist er für die Gesundheit. Was Landwirtschaft betrifft, so ist Saharastaub sogar hilfreich. Tatsächlich ist die Sahara eine wichtige Quelle für die Versorgung der Welt mit Mineralstoffen. Über den Atlantik gelangen diese in das Amazonasbecken, zur Karibik und an die nordöstliche Küste Amerikas. In südwestlicher Richtung werden sie über die Guineaküste und über den Mittelmeerraum in den Nahen Osten und eben nach Europa, zu uns transportiert. Der durch Menschenhand immer weniger werdende Regenwald um den Amazonas, war ursprünglich nicht gerade reich an Mineralstoffen und wird regelmäßig mit welchen aus der Sahara versorgt, jährlich etwa 40 Millionen Staub, also einem beträchtlichen Teil der jedes Jahr anfallenden 500 Millionen Tonnen. Der dient auch auf der Iberischen Halbinsel, Spanien und Portugal, als natürlicher Dünger.

Die Wüste lebt

Warum ist die Sahara überhaupt voller Mineralstoffe? Sie ist ja nicht tot, im Gegenteil. Wie heißt es so schön: Die Wüste lebt. Sie ist aufgrund klimatischer Bedingungen, die ausnahmsweise nichts mit der aktuellen Klimakrise zu tun haben, einfach viel zu trocken. Bis vor 10.000 Jahren, dem Ende der letzten Eiszeit, erstreckte sich in der jetzigen Zentralsahara ein unfassbar riesiger Süßwassersee, der mit seinem extrem fruchtbaren Boden schlicht vertrocknete. Zurück blieb mineralstoffreicher Sand oder eben Staub. Der wird durch die in der Wüste speziellen Begebenheiten aufgewirbelt und erreicht Höhen von bis zu 5.000 Metern - wo er bis zu einem halben Jahr bleiben kann. Schädlich ist Saharastaub jedenfalls nicht wirklich, er ist wichtiger Mineralstofflieferant. Und wenn du dich ärgerst, weil du gerade Fenster geputzt hast und jetzt dieser rötliche Staub daran klebt, dann denk daran: Morgen- und Abendrot sind umso schöner. Und wie entscheidend er als Naturdünger sein kann.

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