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Rekord: Ein Seeadler aus Niederösterreich fliegt bis nach Russland

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Von: Christian Kisler

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Montage: ein fliegender Seeadler, Seeadlerweibchen Orania wird mit einem Sender versehen
Das Seeadlerweibchen Orania legte 2.300 Kilometer von den Donau-Auen nach Russland zurück und stellte einen Rekord auf. © Justine Pickett/Franz Kovacs/WWF/BuzzFeed Austria

Noch bis vor wenigen Jahren galt der Seeadler in Österreich als ausgestorben. Nun leben 45 Brutpaare hier. Einer der Raubvögel hat nun einen Rekord aufgestellt.

Es gibt sie also doch noch, die guten Nachrichten, sogar in Zusammenhang mit Russland. Nicht immer muss der flächenmäßig größte Staat der Welt wegen eines von seinem Präsidenten in die Wege geleiteten Angriffskriegs auf die Ukraine in den Nachrichten vorkommen. Schließlich ist das Land ja nicht von politischer, sondern auch von geografischer Bedeutung, nicht zuletzt seiner unfassbaren Größe wegen. Dann wird Russland in einem völlig anderen Licht gesehen, wenn die Tierschutzorganisation WWF vermeldet, dass ein Seeadlerweibchen namens Orania zwischen Jänner und Mai 2022 rund 2.300 Kilometer bis an den Nördlichen Dwina-Fluss in Russland geflogen ist. Geschlüpft ist Orania 2019 im Nationalpark Donau-Auen, dort begann Anfang dieses Jahres auch ihre Reise. „Noch nie konnten wir eine so weite Reise eines Seeadlers aus Österreich dokumentieren“, erklärt Christian Pichler, Seeadler-Experte des WWF, in einer Aussendung. „Den bisherigen Rekord hat sie verdoppelt. Orania scheint zielstrebig auf Friedensmission.“

Noch beeindruckender wird der Flug, wenn man bedankt, dass Seeadler im Jahr 2000 hierzulande als komplett ausgestorben galten. Dabei ziert einer dieser Raubvögel gar das österreichische Wappen. In der Zwischenzeit ist es gelungen, wieder 45 Brutpaare anzusiedeln. „Oranias Reise über alle Grenzen unterstreicht die Wichtigkeit länderübergreifender Schutzmaßnahmen. Sie sind Grundstein für die Rückkehr dieser ehemals ausgerotteten Art“, so Pichler. Lebensraum finden die König:innen der Lüfte vor allem in Niederösterreich, im Burgenland, in der Steiermark und in Oberösterreich, dort finden sie entsprechende Nahrungs-, Brut- und Ruhegebiete. Mit 45 Paaren ist ihr dauerhaftes Überleben in Österreich aber freilich nicht gesichert.

Seeadler werden auch zu ihrer Sicherheit mit Sendern versehen

Um die Wege der Seeadler im Blick zu haben, aber auch zum Schutz der Jungtiere, werden diese mit Sendern versehen - oder „besendert“, wie es in der Fachsprache heißt. So können die Flugrouten und Lebensräume der Vögel nachverfolgt werden, sobald sie flügge werden, also die Reviere ihrer Eltern verlassen. Wie viele andere Tiere auch zieht es sie einige Jahre später, meist in vier bis fünf, dorthin zurück, um selbst zu brüten. Die GPS-GMS-Datenträger sind im wahrsten Sinne federleicht und behindern die Seeadler nicht beim Fliegen. Seeadler-Experte Pichler: „Auf Basis der Senderdaten können wir die internationale Zusammenarbeit im Seeadlerschutz laufend optimieren.“ An den Beinen tragen die Tiere außerdem spezielle Ringe, an denen sie ein Leben lang erkannt und ihrem jeweiligen Ursprungsgebiet zugeordnet werden können.

All das wird nicht einfach aus sogenanntem Spaß an der Freude gemacht, sondern wie gesagt, um das Leben der Adler zu sichern. Bedrohung für ihren Fortbestand gibt es durch Abschuss und Vergiftung, dazu kommen Autos und Lastwagen, mit denen sie im Tiefflug zusammenkrachen können oder für Vögel schwer einzuschätzende Hindernisse wie Stromleitungen und Windräder. „Durch die Besenderung sind Todesfälle rasch nachvollziehbar. Straftaten können besser aufgeklärt und die Infrastruktur entlang der Flugkorridore entsprechend geplant werden“, erklärt Pichler. „Schutzmaßnahmen in Österreich und unseren Nachbarstaaten müssen konsequent weitergeführt werden, wollen wir die Seeadler-Rückkehr als Kapitel Naturschutzgeschichte auch künftig erfolgreich schreiben.“

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