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Österreichs Seen geht das Wasser aus

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Von: Christian Kisler

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Montage: der Anemonensee in Wiener Neustadt, Motorboote bei niedrigem Wasserstand im Neusiedler See
Ob der Anemonensee bei Wiener Neustadt oder der Neusiedler See im Burgenland: Österreichs Seen geht das Wasser aus. © Stephan Woldron/SEPA.Media/Alex Halada/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Der mangelnde Niederschlag macht sich immer stärker beim niedrigen Wasserstand heimischer Seen bemerkbar. Besonders betroffen ist der Osten Österreichs, etwa der Neusiedler See.

Irgendwie ist alles anders heuer. Oder kommt es nur mir so vor? Womöglich bin ich aufmerksamer als die Jahre davor. Andererseits: Dass der letzte Sommer der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen war, ist mir natürlich nicht entgangen. Befürchten muss man nur, dass sich das wiederholt oder gar getoppt wird. Tatsache ist, dass etwa der März viel zu kalt und vor allem viel zu trocken war, kleine Gewässer wie der Pappelteich bekommen gar eine eigene Wasserleitung. Der Wasserstand des Neusiedler Sees ist nicht nur gefühlt bedenklich niedrig, sondern tatsächlich: Mit freiem Auge sichtbar hat er seinen historischen Tiefststand erreicht, seit 1965 gab es nicht mehr so wenig Wasser in der größten Badewanne des Landes. Der bisherige Tiefststand 1991 war immer noch höher als jetzt, und zwar um 10 Zentimeter.

Der Neusiedler See feiert ausgerechnet jetzt 20 Jahre UNESCO-Weltkulturerbe

Der Neusiedler See speist sich vornehmlich aus Regenwasser. Das ist ein Problem bei ausbleibendem Niederschlag. Denn auch wenn es im April doch ein paar Mal durchaus kräftig geregnet hat, war das immer noch viel zu wenig. Fähren schippern nur noch mit weniger Beladung, Segelboote haben zu viel Tiefgang und bleiben lieber in der sicheren Mole, da sie sonst leicht beschädigt werden könnten. Ironie des Schicksals: Ausgerechnet im Jahr mit Tiefstandrekord feiert der Neusiedler See sein 20-jähriges Bestehen als UNESCO-Welterbe - zumindest mit coronabedingter Verspätung. Dabei wurde die fast 70.000 Hektar große Region Fertö-Neusiedler See schon im Dezember 2001 in die Liste aufgenommen. Zum Burgenland gehören etwa zwei Drittel der Fläche, der Rest zu Ungarn. Damit ist er der größte See Österreichs, jener Teil des Bodensees etwa, der zur Alpenrepublik gehört, ist dagegen relativ klein.

Prinzipiell ist der Osten Österreichs stärker betroffen als der Rest des Landes. Das trifft auch auf Seen zu, die von Grundwasser gespeist werden. In diesem Fall sind der mangelnde Schneefall mit der damit verbundenen Schmelze im Winter und Frühjahr verantwortlich für die voranschreitende Vertrocknung der Gewässer - etwa in Wiener Neustadt. Das Problem besteht darin, dass wenn einmal der Grundwasserpegel niedrig ist, auch einzelne Niederschläge das Kraut nicht fett machen.

Die Schneeschmelze in einigen alpinen Regionen macht einiges aus

Anders in anderen Regionen. Durch ihr alpines Umland gibt es genug Schneeschmelze, auch wenn es hier zu wenig Niederschlag gibt. Große Seen wie der Attersee oder der Wörthersee sind nicht in dem Ausmaß von drohender Austrocknung betroffen wie jene im Osten des Landes. Die Klimakrise wird sich im Laufe der nächsten Jahre noch weiter auf den Wasserstand stehender Gewässer auswirken. Einer neuen Studie des Umweltbundesamts zufolge könnten sich die verfügbaren Grundwasserressourcen Österreichs bis 2050 um bis zu 23 Prozent senken. Wasser sparen tut also Not, sei es beim Blumengießen, beim Duschen oder - wer einen besitzt - beim Befüllen des hauseigenen Pools. Unterm Strich kann man nur wiederholen, was eh schon lange bekannt ist: Die Zukunft schaut nicht rosig aus.

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