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Der Verkehr kann aus der Spritfalle befreit werden - und so geht‘s

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Von: Christian Kisler

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Montage: Ein Tempo-100-Schild, Menschen auf einer Fußgängerzone in Wien-Favoriten
Um den Menschen dabei zu helfen, Sprit zu sparen, kann auf Autobahnen Tempo 100 statt 130 geboten sein sowie mehr Platz für Fußgeher:innen geschaffen werden. © Langenstraßen/dpa/Alex Halada/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Als wäre eine Krise allein nicht genug: Durch den Krieg in der Ukraine und die Klimakrise wird Sprit immer teurer. So könnten wir da rauskommen.

Immerhin, einen sogenannten Energiegipfel hat Karl Nehammer am Sonntag, dem 13. März, bereits einberufen. Herausgekommen ist bei dem Treffen von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik - nichts. Dem Vernehmen nach war das auch nicht beabsichtigt, sprach doch Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) lediglich von einem „Arbeitssitzung“ zum „Faktencheck“, dem Entscheidungen in den nächsten Tagen folgen sollen. Worum ging es überhaupt? Um das Abfedern der stetig steigenden Teuerung von unter anderem Benzin, Diesel und Gas, nicht zuletzt aufgrund des Angriffskriegs auf die Ukraine. Das zeigt sich nicht nur im Haushalt, sondern auch daran, dass derzeit weniger Autos als üblich auf den Straßen unterwegs sind. Abschaffen lässt sich Verkehr nicht, man muss nach wie vor von A nach B kommen. Nur halt mit Einschränkungen und Sparsamkeit.

Sprit wird durch Krieg, Klimakrise und Abhängigkeit teurer

„Wir sind mit drei großen Krisen konfrontiert, die zusammenhängen“, erklärt Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in einer Aussendung. „Der grausame Krieg Putins, der mit unserem Erdöl- und Erdgasverbrauch mitfinanziert wird. Eine Teuerung wegen der Abhängigkeit von fossiler Energie. Und eine sich verschärfende Klimakrise. Wir brauchen jetzt rasch Maßnahmen, die den Verkehr aus der Erdölfalle holen und damit alle drei Krisen bekämpfen.“ Bevor wir dazu kommen, was sich alles eignet, um den Gebrauch von Diesel, Benzin einzuschränken, zunächst einmal, was kein bewährtes Mittel ist.

Allgemeine Steuerbegünstigungen nämlich, wie es etwa die Senkung der Mehrwertsteuer wäre. Schließlich tanken jene zehn Prozent der Haushalte mit dem höchsten Einkommen siebenmal so viel Sprit wie die zehn Prozent mit dem niedrigsten Einkommen. Eine Reduzierung für alle nach dem Gießkannenprinzip würde also in erster Linie den Besserverdienenden zugutekommen. Wer Unterstützung benötigt, muss zielgerecht gefördert werden. Zum Beispiel durch einen erhöhten Klimabonus für einkommensschwache Haushalte sowie die Erhöhung der Mindestpension und Mindestsicherung. Aber Letzteres ist ohnehin Grundsätzliches, das nicht nur die derzeitige Krisenherde betrifft.

Im Regierungsprogramm ist eine Mobilitätsgarantie verankert

Was gern übersehen wird: Im aktuellen Regierungsprogramm steht eine sogenannte Mobilitätsgarantie festgeschrieben. Sie gewährleistet, dass man gut mobil sein können muss, unabhängig, wo in Österreich man lebt. Nicht nur in den Ballungsräumen, vor allem in den ländlichen Regionen ist noch gehörig Luft nach oben, wenn es um den Ausbau des Angebots öffentlichen Verkehrs geht. Dabei ist es mit besseren und häufigeren Verbindungen nicht getan. Sammeltaxis, die per Anruf genutzt werden können, kleinere Busse innerhalb von Gemeinden oder Sharing-Services zählen da genauso dazu. All das ist uns Schwarz/Türkis-Grün bis jetzt schuldig geblieben.

Wenn es tatsächlich um das Einsparen von Treibstoff geht, so sind gerade Kurzstrecken wahre Spritfresser. Laut VCÖ sind vier von zehn Autofahrten in Österreich kürzer als fünf Kilometer. Gerade kurze Strecken lassen sich oft besser mit dem Fahrrad bewältigen, wenn das Angebot entsprechend sicher auch für Familien und Kinder ist. Und dass auf das Rad nur steigen soll, wer körperlich dazu in der Lage ist, versteht sich von selbst. Nicht nur für Radwege, auch für Gehsteige muss in den Städten mehr Platz geschaffen werden, ist doch etwa in Wien ein Drittel der Gehwege zu schmal.

Unternehmen können Mitarbeiter:innen beim Spritsparen unterstützen

Beim Spritsparen unterstützen können übrigens auch Unternehmen ihre Mitarbeiter:innen. Sei es mit Öffi-Jobtickets und Jobrädern oder mehr Homeoffice - was seit Ausbruch der wohlgemerkt noch nicht ausgestandenen COVID-19-Pandemie ohnehin weiter verbreitet ist als früher. Abgesehen davon spart Treibstoff, wer nicht rast, sondern es langsamer angeht. Zumindest kurzfristig können Diesel- und Benzinkosten geringer gehalten werden, wenn es vorübergehende Tempolimits gibt: Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen sowie Tempo 100 statt 130 auf Autobahnen. Das erleichtert auch einkommensschwachen Menschen das Spritsparen, wenn diese tatsächlich auf ihr Auto angewiesen sind. Umgekehrt gilt es zu berücksichtigen, dass laut der Statistik Austria fast die Hälfte des Einkommensviertels mit dem niedrigsten Einkommen gar kein Auto besitzt. Womit wir wieder bei dem dringen nötigen Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie von Fahrradwegen und Gehsteigen wären.

„Die Erdölpreise am Weltmarkt können wir nicht beeinflussen, sehr wohl aber können wir unseren Spritverbrauch reduzieren. Und je weniger Diesel und Benzin wir verbrennen, umso weniger Geld fließt in die Kassen despotischer Regime“, so Christian Gratzer. Auch als Einzelne:r können wir dazu beitragen, entweder, wenn wir langsamer und nur längere Strecken fahren und so den Verbrauch um 15 bis 20 Prozent senken. Oder aber eben Fahrgemeinschaften bilden, kürzere Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen sowie Öffis nutzen. Alles immer im Rahmen des Möglichen.

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