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Das Supergrätzl in Wien-Favoriten soll für ein gesundes Klima sorgen

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Von: Christian Kisler

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Luftansicht von Wien-Favoriten mit hervorgehobenem Bereich, in dem das Supergrätzl entstehen soll.
Das Supergrätzl in Wien-Favoriten steigert nicht nur die Lebensqualität, sondern ist auch gut fürs Klima. © MA 19/MA 41/Stadt Wien/BuzzFeed Austria

Nach dem Vorbild der Superblocks in Barcelona will Wien ein Supergrätzl schaffen. Weniger Verkehr, mehr Grün und damit auch weniger Hitze sollen der Klimakrise entgegenwirken. Und als Nebeneffekt erhöht sich die Lebensqualität.

Barcelona ist eine Reise wert, wenn die COVID-19-Pandemie es unbeschwert zulässt. Jedenfalls wollen alle, die einmal die Stadt am Mittelmeer besucht haben, mit Sicherheit ein zweites Mal dorthin. Kann ich nur bestätigen. Die Strandpromenade, die Flaniermeile La Rambla, das Essen, das Meer, die Bauwerke von Antoni Gaudí. Allen voran die Basilika Sagrada Família, an der seit 1882 gebaut wird und die so bald nicht fertiggestellt werden wird. Andererseits: Am Stephansdom, wie wir ihn heute kennen, wurde über 200 Jahre gewerkt, und der Nordturm ist bekanntlich bis heute nie fertig geworden. Weswegen er ja so aussieht wie er nun einmal aussieht.

Wie auch immer, Barcelona ist auch für seinen irren Verkehr bekannt, für die dichte Bebauung, die schlechte Luft. Auch daran erinnern sich alle, die schon einmal dort waren. Grün ist dort Mangelware, pro Einwohner:in gibt es gerade einmal 6,6 Quadratmeter Grünfläche. Zum Vergleich: In London sind es 27, in Amsterdam 87,5 und in Wien immerhin schon 93,4 Quadratmeter. Und auch hier ist noch Luft nach oben. Jedenfalls hat die Stadtregierung Barcelonas kurzerhand die Notbremse gezogen und sogenannte Superblocks ins Leben gerufen.

In Superblocks haben Fußgänger:innen und Fahrradfahrer:innen Vorrang

Dabei wird Fußgänger:innen und Fahrradfahrer:innen der Vorrang gegenüber Autos eingeräumt. Diese dürfen bestenfalls in Schritttempo durch die Straßen ziehen, in letzter Konsequenz sollen sie ganz verschwinden. Dazu kommen Hochbeete, frisch gepflanzte Bäume und zahlreiche Wasserstellen, wie sie etwa aus den coolen Straßen in Wien bekannt sind. All das findet in einem eigens definierten Gebiet statt, das im Falle Barcelonas maximal neun Blocks umfasst. Daher der Name Superblock.

In Wien ist die Situation selbstverständlich nicht so dramatisch wie in vergleichbaren Großstädten. Nicht umsonst war die österreichische Bundeshauptstadt vor Corona wiederholt die Stadt mit der größten Lebensqualität. Es geht aber noch ein Stückchen besser, wie etwa der eben erst angekündigte Mega-Rad-Highway zeigt. Ansonsten wird immer mehr zubetoniert, wogegen ja zum Beispiel in der Lobau protestiert wurde und wird.

Supergrätzl sollen gegen Hitze und schlechte Luft in Wien-Favoriten helfen

Gerade in dicht bebautem Gebiet kommt es im Sommer immer wieder zu Hitzeinseln, etwa im Bezirk mit den meisten Einwohner:innen, Favoriten, dem 10. Hieb. Dort plant Wien nach dem Vorbild Barcelonas noch für heuer das erste Supergrätzl. Nicht ohne Grund dort, schreien bestimmte Gegenden geradezu nach Maßnahmen, um den Auswirkungen der Klimakrise Herr zu werden. Wenig Grün, enge Straßen, viel Verkehr, dichte Besiedelung, all das trifft auf das Grätzl zu, das die Stadt Wien nun „super“ machen will. Das Gebiet erstreckt sich über mehrere Häuserblocks im Bereich Gudrunstraße, Leebgasse, Quellenstraße und Neilreichgasse, dazu kommt der Erlachpark.

Geplant ist genau das, was die katalanischen Superblocks zu internationalen Musterbeispielen gemacht hat: ein verkehrsberuhigter Kern, mehr Grünflächen, Wasserelemente und viel, viel Bewegungsfreiheit. Ergänzt werden soll das Supergrätzl noch um den Aspekt des sozialen Miteinander, mehr Teilhabe im Grätzl. In Wien-Favoriten wird also ein Pilot-Projekt gestartet, dass nicht nur die Lebensqualität der Anrainer:innen gehörig heben wird, sondern auch einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann. Bewährt sich das Supergrätzl im 10. Bezirk, soll es weitere in Wien geben. Im Gespräch ist etwa eines rund um den Volkertmarkt im 2. Bezirk. Schön wär‘s, wenn solche Projekte nicht zur Ausnahme, sondern zur Regel werden würden.

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