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Tempolimit 80 auf Bundesstraßen führt zu weniger Verkehrstoten

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Von: Christian Kisler

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Montage: Ein Schild mit Geschwindigkeitsbegrenzung 80, ein Tachometer, der 100 km/h anzeigt
Tempo 80 statt Tempo 100 kann Leben retten © Andia/Imago/Jakob Gruber/EXPA/picturedesk.com/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Mehr als die Hälfte aller Verkehrstoten sind in den letzten Jahren auf Bundesstraßen ums Leben gekommen. Mit geringerem Tempolimit lässt sich das vermeiden.

Wer rast, verliert. Entweder Geld, weil du Strafe bezahlen musst. Oder deinen Führerschein, im Wiederholungsfall dein Auto. Und im allerschlimmsten Fall dein Leben. In den Jahren 2019 bis 2021 sind laut Statistik Austria in Summe 628 Menschen bei Verkehrsunfällen auf Österreichs Freilandstraßen ums Leben gekommen, ganze 56 Prozent aller Verkehrstoten. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 334, war mit dem Auto unterwegs, die zweitgrößte Opfergruppe mit dem Motorrad, und zwar 174. Außerdem sind in diesem Zeitraum 32.484 Menschen auf Freilandstraßen bei Verkehrsunfällen verletzt worden.

„Gerade auf Freilandstraßen würde Tempo 80 statt 100 einen wichtigen Beitrag leisten, um die extrem hohe Anzahl tödlicher Verkehrsunfälle auf diesen Straßen zu reduzieren“, erklärt Michael Schwendinger vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr, denn bei jedem dritten tödlichen Verkehrsunfall außerhalb des Ortsgebiets war die Geschwindigkeit die Hauptursache. Dazu zählen neben Freilandstraßen und Bundesstraßen auch Autobahnen und Schnellstraßen.

Die Zahl der Verkehrstoten steigt stetig

Dabei hat sich Österreich selbst Ziele gesteckt - und deutlich verfehlt. Für 2020 etwa lautete es, die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr auf weniger als 312 zu reduzieren. Allerdings starben 344 Menschen bei Verkehrsunfällen. Und das in einem Jahr voller pandemiebedingter Lockdowns. Schlimmer noch das Jahr 2021, denn statt zu sinken nahm die Zahl mit 363 sogar noch einmal zu. Bedenklich auch die Zahlen der Todesopfer heuer im Straßenverkehr allein in den ersten sieben Monaten. Da stieg diese bereits auf 224, 34 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Eine Steigerung von 18 Prozent.

Was hat das nun mit Tempo 80 statt Tempo 100 zu tun? Ganz einfach: Der Anhalteweg, der sich aus Reaktionsweg und Bremsweg zusammensetzt, ist bei Tempo 80 schlicht kürzer als bei Tempo 100, und zwar deutlich. Ein Beispiel: Ein Auto, das mit Tempo 80 einen Anhalteweg von 55 Meter hat, hat mit Tempo 100 einen Anhalteweg von 79 Metern und nach 55 Metern noch eine Geschwindigkeit von 68 Kilometer pro Stunde - auf trockener Fahrbahn, wohlgemerkt.

In Tirol gab es bereits Tempolimit 80 - in den 1990ern

„Niedrigere Tempolimits auf Freilandstraßen erhöhen die Verkehrssicherheit und reduzieren zusätzlich den Spritverbrauch, den CO2-Ausstoß und den Verkehrslärm“, so Schwendinger. Das gibt es tatsächlich schwarz auf weiß. In der Schweiz wurde etwa im Jahr 1985 zunächst vorübergehend und ab dem Jahr 1990 dauerhaft das Tempolimit von 90 auf 80 km/h reduziert. Daraufhin ging die Zahl der Verkehrstoten um zehn Prozent zurück.

Auch hierzulande gab es Versuche in dieser Richtung. In Tirol galt beispielsweise Anfang der 1990er Jahre für rund drei Jahre Tempo 80 statt 100 auf Bundesstraßen. Was war die Folge? Natürlich ist die Zahl der Verkehrstoten deutlich zurückgegangen. Allerdings ließ es sich der Verfassungsgerichtshof nicht nehmen, Tempo 80 wieder aufzuheben. Die Zahl der Verkehrstoten nahm wieder deutlich zu.

Gerade am Wochenende wären in ländlichen Regionen neben einem Tempolimit von 80 statt 100 sogenannte Discobusse oder Sammeltaxis, die angerufen werden können, ungemein wichtig. Getrennte Geh- und Radwege entlang von Bundesstraßen wären sinnvoll, außerdem sichere Übergänge im Bereich von Siedlungen und Bus-Haltestellen. Trauriger Hintergrund: Zwischen 2019 und 2021 sind bei Verkehrsunfällen 36 Fußgänger:innen und 39 Radfahrer:innen auf Bundesstraßen getötet worden.

Hier sind übrigens fünf Gründe, warum Tempo 100 auf der Autobahn besser als 130 ist.

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