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Die Therme Wien heizt Haushalten in der Umgebung ein

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Von: Christian Kisler

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Montage: eine Wärmepumpe, eine Wasserbecken der Therme Wien
Eine Wärmepumpe wandelt das Abwasser der Therme Wien in Fernwärme um. © Wien Energie/Max Kropitz/Helmut Fohringer/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Wer der Therme Wien einen Besuch abstattet, tut das entweder, um sich zu entspannen oder wegen medizinischer Behandlungen. Jetzt wird die Abwärme genutzt, um 1.900 Haushalte in der Umgebung mit Fernwärme zu versorgen.

Ein Besuch in einer Therme ist immer wieder etwas Herrliches. Man döst in der warmen Atmosphäre vor sich hin, blättert in einem Buch, geht hin und wieder ins warme Wasser planschen. Zum Schwimmen ist mir das persönlich zu lau, aber jedem Tierchen sein Pläsierchen - wie du halt magst. Im anstehenden Sommer suchst du wahrscheinlich eher ein Freibad, einen See, dem noch nicht das Wasser ausgegangen ist oder gar das Meer auf, aber die nächste Herbst-/Winter-Saison kommt bestimmt. Wenn du in der Stadt wohnst, in Wien zum Beispiel, musst du glücklicherweise nicht weit reisen, um deinen Zeh ins bacherlwarme Nass zu tunken.

Ich will jetzt nicht mit zu vielen geschichtlichen Details langweilen, nur soviel: Nach einigen Missverständnissen wurde Ende 1968 der „Kurbetrieb Heilquelle Oberlaa GmbH“ eröffnet. Nach dem Anbohren einer zweiten Quelle in 900 Metern Tiefe wurde im September 2010 die neue Therme Wien in Betrieb genommen, seit 2017 ist sie bequem mit der U-Bahn zu erreichen.

Neuerdings kann man das warme Wasser der Therme Wien in Oberlaa in Wien-Favoriten nicht nur zum eigenen Vergnügen nützen, sondern zur umweltfreundlichen Wärmeerzeugung. Wie kommt‘s? Wien Energie hat in dem Kur- und Wellnessbetrieb eine Wärmepumpenanlage errichtet, um so die Abwärme des Thermal-Abwassers zur Fernwärme-Erzeugung heranziehen zu können. So will die Stadt Wien weiter in den Klimaschutz investieren und für mehr Unabhängigkeit von russischen Gasimporten sorgen. Quasi Wärme aus dem Grätzel für das Grätzel. Der Kostenpunkt beläuft sich auf drei Millionen Euro, wobei Wien Energie ja bis 2027 eine Milliarde Euro in die Hand für den Gasausstieg in die Hand nimmt.

Die Wärme-Energie im Thermalwasser wäre früher ungenutzt in den Kanal geflossen

„Wir produzieren grüne Wärme aus der Therme. Die Wärme-Energie im Thermalwasser, die früher ungenutzt in den Kanal geflossen ist, wird so zum Wärmelieferanten für die umliegenden Haushalte“, erklärt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung anlässlich der Inbetriebnahme der Wärmepumpe. „Mit unserem Investitionsprogramm und mit Projekten wie diesem sorgen wir für mehr Unabhängigkeit und Klimaschutz in Wien. Wir setzen unseren Plan für die Klimaneutralität 2040 um, Schritt für Schritt.“

Grafische Darstellung der Umwandlung von THermalwasser in Fernwärme
Aus Thermal-Abwasser wird dank einer Wärmepumpe Fernwärme. © Wien Energie/Harald Ströbel

Und wie funktioniert das nun? Ort des Geschehens ist die Tiefgarage der Therme Wien. Dort wurden zwei Wärmepumpen errichtet. Diese verfügen über einen direkten Anschluss zum gesammelten Thermal-Abwasser. Diese Art der Wärmeerzeugung kann man mit der Funktionsweise eines Kühlschranks vergleichen. Nur eben umgekehrt. Dabei nehmen die Wärmepumpen die Restwärme aus dem Thermal-Abwasser, das etwa rund 30 Grad warm ist und erhitzen dieses auf bis zu 85 Grad. Voilà. Die so entstandene Wärme wird schließlich direkt ins lokale Fernwärmenetz in Oberlaa eingespeist. Das war‘s auch schon.

56 Prozent aller Wiener HAushalte sollen künftig mit Fernwärme versorgt werden

Erneuerbare Quellen zur Wärmeversorgung heranzuziehen, ist ganz wesentlich, um die selbst gesteckten Klimaziele erreichen zu können. Wichtig ist dabei die Fernwärme, die ja wohlgemerkt auch einen wertvollen Beitrag in Sachen Gasausstieg leistet. 440.000 Wiener Haushalte und 7.800 Business-Kund:innen werden jetzt schon damit versorgt. In Zukunft will Wien Energie 56 Prozent mit der immer beliebteren Fernwärme versorgen. Und wie gesagt, bis 2040 soll diese gänzlich klimaneutral erzeugt werden. Dafür braucht man natürlich neue Wärmequellen. Tiefengeothermie, also die Nutzung der Erdwärme in Tiefen zwischen 400 und 5.000 Metern, ist eine Möglichkeit. Großwärmepumpen, die lokale Abwärme nutzen, wie bei der Therme Wien oder der Klinik Floridsdorf, eine andere. Es schaut also nicht immer ganz so schlecht aus, wenn man einen Blick in die Zukunft wagt.

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