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Demonstration im Schweinekostüm: Tierschützer in Kärnten von Polizei geohrfeigt und „splitternackt“ ausgezogen

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Von: Johannes Pressler

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Fotomontage von links einem Schweinkostüm und rechts Polizist:innen, die eine Person festnehmen.
Der Verein gegen Tierfabriken demonstrierte in Klagenfurt. Es kam zu drei Festnahmen. © VGT.at

In Klagenfurt fand eine Demonstration des Vereins gegen Tierfabriken statt. Drei Personen wurden festgenommen. Vonseiten der eingreifenden Polizei soll es zu Handgreiflichkeiten gekommen sein.

Grund für den Protest am Donnerstag (14. April) waren die immer öfter auftauchenden Berichte über Tierquälerei in der österreichischen Schweinehaltung. Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, ging der Verein gegen Tierfabriken vor die Landwirtschaftskammer in Klagenfurt. Diese hatte zuletzt bezüglich der Tierquälerei nur von Einzelfällen gesprochen. Die Forderung des Vereins mit Sitz in Wien: das Ende für Spaltböden in der Schweinehaltung und mehr Kontrollen für die Betriebe.

Demonstration im Schweinekostüm, drei Personen festgenommen

Rund 20 Aktivist:innen taten sich für die Demonstration vor der Landwirtschaftskammer zusammen. Aus dem Protest an sich wurde beinahe schon eine Performance. Die Demonstrant:innen waren teilweise als Schweine verkleidet und wühlten sich in Heu vor dem Bürogebäude herum. Mit einem Plakat mit der Aufschrift „Stroh statt Beton“ wollte man auf die problematischen Zustände der Schweinehaltung in Österreich hinweisen. Das Problem an der ganzen Sache: Die Demonstration war vom Verein nicht angemeldet worden. „Wir haben in Kauf genommen, dass es zu einer Strafe kommen könnte“, sagt David Richter, Campaigner beim Verein gegen Tierfabriken, im Gespräch mit BuzzFeed Austria.

Dementsprechend schnell tauchte die Polizei auf. Laut Augenzeug:innen sollen es 25 bis 30 Beamt:innen gewesen sein. Die Polizei wies darauf hin, dass sich die Leiterin der Kundgebung trotz mehrmaliger Aufforderung geweigert habe, ihre Identität preiszugeben. Daher wurde sie festgenommen - gemeinsam mit zwei weiteren Personen, die die Festnahme der Frau zu verhindern versuchten. Die drei sollen sogar „in Handschellen verschleppt worden“ sein, für den Verein gegen Tierfabriken unverhältnismäßig und ein „brutaler Einsatz“.

Ohrfeigen und „splitternackt“ ausgezogen: Polizei mit Handgreiflichkeiten

Die angelegten Handschellen waren aber erst der Anfang. Laut dem Verein gegen Tierfabriken soll einer der Festgenommenen von den Polizist:innen beschimpft worden sein, nach „Scheiße“ würde er stinken. Daraufhin zwei Schläge mit der flachen Hand ins Gesicht. Der zweite Tierschützer soll von Polizist:innen zum Streifenwagen geschliffen worden sein, seine Knie wurden dabei aufgeschürft. Aus Protest verklemmte der Aktivist seine Beine in der Türe, woraufhin ein Polizist den Mann sogar gewürgt haben soll. Dem noch nicht genug, musste sich der Tierschützer auf der Polizeistation splitternackt ausziehen. Laut dem Verein gegen Tierfabriken sollen die Polizist:innen das damit begründet haben, „dass er ja Drogen im Anus versteckt haben könnte“.

Fotomontage von lädierten Handgelenken und einem aufgeschürften Knie.
Lädierte Handgelenke und Schürfwunden am Knie: Wie die Polizei mit den Aktivist:innen umgegangen sein soll. © VGT.at

Martin Balluch, der Obmann des Vereins, zeigt sich in einer Presseaussendung empört, wie mit den Aktivist:innen während des insgesamt sieben Stunden langen Polizeiaufenthalts umgegangen wurde. Das Ganze sei „eine neue Qualität von Amtsmissbrauch und rechtswidriger Polizeigewalt“. Der Verein wird den Betroffenen „eine Rechtsberatung bieten und sie bei einem etwaigen juristischen Vorgehen gegen die Polizei unterstützen“. Die Polizei auf der anderen Seite verhält sich abgesehen von der einen Aussendung ruhig. Nicht mal dem ORF vor Ort in Klagenfurt wollte man ein Interview geben. Solch ein Vorfall sei nicht von so viel Bedeutung, etwaige Fehlverhalten müssten vom Landesverwaltungsgericht geklärt werden.

Dass Polizeigewalt in Österreich nicht wirksam untersucht wird, ist nichts Neues. Zu diesem Ergebnis kam schon ein Report von Amnesty International.

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