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Der Verkehr in den Städten kann vom Problem zur Lösung für deine Gesundheit werden

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Von: Christian Kisler

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Montage: Radfahrer wartet bei einer Ampel, Füßgänger:innen in einer Fußgängerzone
Mobilität sollte nicht der Gesundheit schaden, sondern diese fördern. © SKATA/photosteinmaurer.com/Imago/BuzzFeed Austria

Abgase, Lärm und Unfälle, Verursacher von Hitze: Verkehr gilt als gesundheitsschädlich. Dabei kann gerade die Alltagsmobilität zu einem gesünderen Leben führen.

Verkehr ist laut, er stinkt, er führt zu Unfällen, durch seine Abgase gibt es Hitze in den Städten. Im Sommer ist es unerträglich. Nicht nur, aber auch aufgrund der durch Treib- und Abgase verursachten Temperaturen macht Verkehr, oder besser noch, Mobilität krank. Dabei könnte es auch genau umgekehrt sein: Die Bewegung durch die Stadt könnte der Gesundheit auch zuträglich sein. Verkehr und Mobilität gibt es in Österreich ja reichlich, nicht nur auf Autobahnen und Bundesstraßen. Allein in den 25 größten Städten Österreichs leben rund dreieinhalb Millionen Menschen, fast zwei Millionen davon nur in Wien. Zusammen sind das rund 40 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes, die den Auswirkungen von Kfz-Verkehr ausgesetzt wird.

Autoverkehr sorgt für Feinstaub und Schadstoffe in der Luft

2020 wurde die Mobilität wegen COVID-19 bedeutend zurückgenommen, aber sogar in diesem Jahr lag die Schadstoffbelastung in Österreich deutlich über den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Richtwerten. Bei fast allen, nämlich 69 der 71 Messstationen wurden die Feinstaubwerte überschritten, bei 38 Messstationen war die Belastung sogar doppelt so hoch. Auch bei Stickstoffdioxid NO2 wurde der WHO-Richtwert zum Teil massiv überschritten. „Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel“, erklärt Lina Mosshammer vom Verkehrsclub Österreich dazu in einer Aussendung. „Die Politik ist gefordert, verstärkte Maßnahmen für saubere Luft zu setzen. Gerade im Verkehr kann und muss vieles rasch verbessert werden.“ Für die Stickoxide in der Luft ist nicht allein die Industrie verantwortlich, fast die Hälfte wird von Kraftfahrzeugen erzeugt.

Dazu gesellen sich Ultrafeinstaubpartikel aus den Auspuffrohren, die im Gegensatz zu Saharastaub extrem schädlich sind, ebenso wie Feinstaub durch Brems- und Reifenabrieb. Das betrifft übrigens auch Elektroautos. „Es gibt keine ungefährliche Luftverschmutzung“, so Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien. „Auch geringe Luftverschmutzung ist schlecht für den Körper, vor allem wenn Schadstoffe Tag für Tag eingeatmet werden. Schon lange haben Ärzt:innenorganisationen darauf hingewiesen, dass die gesetzlichen Vorgaben zu Feinstaub und Stickstoffdioxid zu lasch sind.“ Gerade in Städten machen sich Beeinträchtigungen der Atemwege, der Lungenfunktion und des Herz-Kreislauf-Systems bemerkbar, nicht nur bei vorbelasteten Menschen.

Verkehrslärm kann Herzkreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck verursachen

Auch der Straßenverkehrslärm ist ein Problem, er erhöht das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck. Dagegen hilft aber eine relativ simple Maßnahme: Tempo 30 statt Tempo 50. Das ist nicht nur gut für Klima und Geldbörse, sondern wirkt auf das menschliche Ohr wie eine Halbierung der Verkehrsmenge. Aber auch hier stoßen Elektroautos an ihre Grenzen. Bis Tempo 30 sind sie tatsächlich leiser, darüber hinaus wird das Rollgeräusch lauter als der Motorenlärm. Somit sind sie dann genauso laut wie mit Verbrennungsmotoren angetriebene Fahrzeuge.

Aber: Mobilität beschränkt sich ja nicht nur auf Autoverkehr, der nachweislich zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Auf der anderen Seite kann sie auch zur Förderung der Gesundheit beitragen. Wer seine Wege im Alltag zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt, stärkt sein Immunsystem und senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dass man so auch fitter wird, liegt auf der Hand, auch das Einsparen von Sprit ist ein schöner Nebeneffekt für alle, die ein Auto ihr Eigen nennen. „Was in der Ernährung Obst und Gemüse, das sind in der Mobilität Gehen und Radfahren“, findet Lina Mosshammer einen passenden Vergleich. „Umso wichtiger ist es, dass Städte und Gemeinden Bedingungen schaffen, die es der Bevölkerung erleichtern, möglichst oft gesund mobil zu sein.“

Mobilität zu Fuß und per Rad fördern die Gesundheit

Wird der Verkehr beruhigt, werden nicht nur Unfallrisiken, Schadstoffe und Lärmbelastung gesenkt. Auch die Voraussetzungen für Gehen und Radfahren werden verbessert. Das gilt auch für Tempo 30: Gerade im Alltag sollten alle Mittel genutzt werden, um die Mobilität zu Fuß und per Rad zu fördern. Public-Health-Experte Hutter begrüßt das. „Bewegungsmangel ist zu einem massiven Problem in unserer Gesellschaft geworden, speziell bei Kindern“, erklärt er. „Regelmäßige körperliche Bewegung schützt uns vor Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Übergewicht, Osteoporose, Stress und Burnout sowie vor Krebserkrankungen und vorzeitigem Tod. Und Bewegung schafft Wohlbefinden und macht uns fit - geistig und körperlich. Welches Medikament schafft das noch?“ Eine berechtigte Frage.

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