1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Umwelt

Raumfahrtagentur will mit Satelliten Plastikmüll im Ozean beobachten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Emily Erhold

Kommentare

Bildmontage: Satellitenbild der Erde und Plastikmüll in Simulator
plastikmüll esa.jpg © Ikon Images/Imago/ESA-P. de Maagt

Die europäische Weltraumagentur ESA will mehrere Technologien zur Vermessung des Plastikmülls in unseren Ozeanen austesten. Künftig könnte man über Satelliten das Ausmaß der Meeresverschmutzung beobachten.

Laut der Umweltschutzorganisation WWF gelangen jedes Jahr etwa 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere. Das ist ein großes Problem. Immerhin kann es bis zu mehrere tausend Jahren dauern, bis Plastik endlich zersetzt ist. Bis dahin gehen Verpackungsmaterial und Co. auf Reise, werden von Wind und Wasser in kleinste Teilchen zerstückelt, landet an den Küsten, am Meeresgrund (80 Millionen Tonnen Kunststoff befinden sich laut WWF am Meeresboden) oder wird von Tieren verschluckt. Die Umweltverschmutzung durch Plastik ist mittlerweile so groß, dass Forscher:innen unlängst Mikroplastik in unserem Blut nachweisen konnten.

ESA will Plastikmüll beobachten und hat dafür den Atlantik nachgemacht

Der genaue Weg des schwimmenden Plastikmülls ist aber noch nicht ausreichend dokumentiert. Wissenschafter:innen, die sich damit beschäftigen, eine Lösung für das immer schlimmer werdende Umweltproblem zu finden, wie sich die Mülldecken unserer Ozeane bewegen und ausbreiten. Das möchte die ESA nun ändern. Dafür will die Weltraumorganisation mehrere Weltalltechnologien anwenden.

Deswegen hat ein Forschungsteam der ESA in einem realistischen, maßstabsgetreuen Modell des Atlantischen Ozeans echten Plastikmüll wie Taschen oder Besteck aus dem Meer versenkt, um zu testen, ob Weltraumtechnologien in der Lage wären, solchen Müll aus der Umlaufbahn zu erkennen. „Wir haben beschlossen, diese Technik verschiedenen europäischen Organisationen und Forschungsinstitutionen zur Verfügung zu stellen, die an unterschiedlichen Satellitenmethoden zur Erkennung von Plastikmüll im Meer forschen. Die Teams wurden über die Open Space Innovation Platform der ESA rekrutiert, über die Ideen für neue Weltraumforschungsaktivitäten gesammelt werden“, erklärt Projektleiter Peter de Maagt auf der ESA-Website.

Unterschiedliche Methoden, um Plastik zu tracken

Mittlerweile sind über zwei Dutzend Projekte entstanden, die im Zuge der Open Space Innovation Platform daran arbeiten, das Monitoring von schwimmenden Plastikteilen auf den Ozeanen zu gewährleisten. Mithilfe einer Reihe von Mikrowellen- und optischen Instrumenten untersuchen die Forscher:innen, ob die Überwachung von Kunststoff aus dem Orbit in Zukunft nützlich sein könnte. „Was wir sagen können, ist, dass einige unserer Instrumente einen Anstieg der Signalstäke erkennen, wenn Plastikmüll im Meer vorhanden ist“, so Peter de Maagt. Worum es sich beim Müll genau handelt, können die Sensoren aber nicht ermitteln.

Teams des Instituts für Telekommunikation in Portugal und der Universität Stirling in Schottland setzen beispielsweise die sogenannte Radarfernerkundung ein. Hierbei tastet ein satellitenunterstütztes Radar die Erdoberfläche mittels Mikrowellenstrahlung in unterschiedlichen Wellenlängen ab. Eine Gruppe mit Mitarbeiter:innen der Universität Leiden, der Universität Oldenburg in Deutschland und der ITC-Fakultät für Geoinformationswissenschaft und Erdbeobachtung der Universität Twente hat wiederum optische Sensoren erprobt. Hierbei wird ein von einem Zielobjekt reflektierter Lichtstrahl erfasst.

Der Status der Meeresverschmutzung soll überwacht werden

Noch ist es aber zu früh, um zu wissen, ob sich Plastikmüll überhaupt von Satelliten aus dem Orbit überwachen lässt. „Was als Nächstes kommen muss, sind Folgetests in der tatsächlichen Meeresumgebung mit Flugzeugen oder Drohnen, und wenn das gut geht, dann schließlich eine experimentelle Weltraummission“, erklärt de Maagt. Ziel des ESA-Projekts ist es jedenfalls, die Daten Forscher:innen und Politiker:innen zur Verfügung zu stellen. Damit können sie etwa beobachten, wo sich der Plastikmüll ansammelt oder wie effizient etwaige Maßnahmen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung sind. Außerdem könnten Säuberungsteams gezielter eingesetzt werden.





Auch interessant

Kommentare