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Parkpickerl, Spritpreise und Co: In der Stadt sind jetzt weniger Autos unterwegs und das ist gut so

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Von: Christian Kisler

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Montage: Eine Tankstellenanzeigetafel, ein Parkpickerl in einer Windschutzscheibe
Rasant steigende Spritpreise und das Parkpickerl sorgen unter anderem dafür, dass weniger Autos unterwegs sind. © JFK/EXPA/Weingartner-Foto/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Wer aufmerksam durch die Stadt geht, wird bemerkt haben, dass in den letzten Tagen weniger Autos als sonst unterwegs sind. Was hat es damit auf sich?

Unweit von dort, wo ich wohne, befindet sich eine recht breite Straße mit mehreren Autospuren und Bim. An manchen Stellen quert auch noch der Bus. Will man dort von der einen zur anderen Straßenseite, ohne an einer Ampel warten zu müssen, riskiert man Leib und Leben. Normalerweise. In den letzten Tagen war so wenig auf der besagten Straße los, dass ich seelenruhig zur anderen Straßenseiten konnte.

Kurz war ich verwirrt. Hatte ich den Beginn der Zombie-Apokalypse verpasst? Oder Schlimmeres? Bei der aktuellen Nachrichtenlage hätte mich nichts mehr gewundert. Die anderen Verkehrsteilnehmer:innen lechzten aber nicht nach meinem Gehirn, wie es Untote für gewöhnlich tun, und auch sonst benahm sich niemand besonders verhaltensoriginell. Schließlich waren auch nicht weniger Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Öffis unterwegs, die Gehsteige waren zu schmal, eh alles wie immer. Des Rätsels Lösung für die angenehme Verkehrslage: Es waren einfach weniger Autos unterwegs als sonst.

Aus fünf Gründen sind jetzt weniger Autos unterwegs

Aber warum? Im Wesentlichen aus fünf Gründen. Erstens: Treibstoff ist auf einem Rekordhoch. Zweitens: Seit Februar gilt in Wien die flächendeckende Parkraumbewirtschaftung, also das Parkpickerl überall. Drittens: Im Moment gibt es kaum große Baustellen, es kommt zu keiner Staubildung und der Verkehr verteilt sich besser. Viertens: Ein alljährliches Phänomen wird auch heuer wieder bestätigt. Nämlich, dass es in den ersten drei Monaten des Jahres wegen Feiertagen, Semesterferien und dergleichen prinzipiell den wenigsten Autoverkehr gibt. Und fünftens, auch nicht zu unterschätzen: Aufgrund der hohen Ansteckungszahlen in Sachen COVID-19 bleiben viele Menschen daheim. Entweder, weil sie selbst krank sind. Oder sie sind im Homeoffice, weil sie Kontaktperson sind oder schlicht zur Vorbeugung.

Der Hauptgrund sind freilich die Spritpreise. So sind diese seit Beginn des Kriegs in der Ukraine kontinuierlich angestiegen. Allein seit Montag dieser Woche waren es 40 Cent pro Liter Diesel, eine noch nie dagewesene Erhöhung, Tendenz steigend. Kein Wunder also, dass sich viele Leute zweimal überlegen, ihr Auto zu benutzen. Diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer wirklich auf ihr Fahrzeug angewiesen sind, können etwa Fahrgemeinschaften bilden.

„Eine Fahrgemeinschaft zu zweit reduziert die Spritkosten um bis zu 50 Prozent, zu dritt um bis zu zwei Drittel“, so Lina Mosshammer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in einer Aussendung. Trotz steigender Preise zahlt man so weniger als früher. Spezielle Apps helfen beim Zusammenstellen von Fahrgemeinschaften. Benzin und Diesel sparend ist auch die Devise „Gleiten statt Hetzen“. Bei gleichmäßig sanftem Fahren wird ebenfalls weniger Treibstoff benötigt.

Wegen des Parkpickerls pendeln mehr Menschen mit Bus und Bahn

Tatsächlich für weniger Verkehr hat auch die erwähnte flächendeckende Parkraumbewirtschaftung gesorgt. Einerseits stehen jetzt weit mehr Autos in Garagen, weil sie sich so das Parkpickerl sparen - das in der Regel günstiger ist als ein Platz in einer Tiefgarage, nur so nebenbei. Andererseits hat sie sich auf die Anzahl der Menschen ausgewirkt, die aus Niederösterreich nach Wien pendeln. Viele lassen jetzt ihr Auto stehen und fahren mit Bussen und (Schnell-)Bahn. Die betroffenen Linien verzeichnen einen Fahrgastanstieg von fünf bis zehn Prozent. Unterm Strich war ein Umdenken eh schon längst notwendig. Dass es für viele so plötzlich kommt, mag unangenehm sein, war aber eigentlich nur eine Frage der Zeit.

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