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Wien Energie nimmt für den Gasausstieg eine Milliarde Euro in die Hand

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Von: Christian Kisler

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Montage: Zwei Photovoltaikanlagen
Sonnenenergie hilft beim Gasausstieg. © Wien Energie/Ludwig Schedl/MA31/Fürthner/BuzzFeed Austria

Wien Energie lässt sich den Ausstieg aus Gas einiges kosten. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen Geothermie, Großwärmepumpen und der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft fossile Energien ersetzt haben.

Nicht weniger als eine Milliarde Euro will Wien Energie in die Hand nehmen, um den Ausstieg aus Gas bewältigen zu können. An seiner Stelle wird in den nächsten fünf Jahren massiv in Geothermie, Großwärmepumpen sowie den Ausbau von Photovoltaik und Windkraft investiert. So will man nach und nach unabhängig von fossilen Energieträgern werden. „Wir bauen das Wiener Energiesystem komplett um“, so Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung. „Jeder Euro, den wir heute in die Hand nehmen, bringt den Wiener:innen langfristig Unabhängigkeit, Klimaschutz und Preisstabilität.“

In Summe will Wien Energie bis 2027 1,29 Milliarden Euro investieren. In Wärme-Projekte gehen davon 625 Millionen Euro und in den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung 334 Millionen Euro. Außerdem fließen 90 Millionen in umweltfreundliche Kälteversorgung, 160 Millionen Euro in Digitalisierung, Elektromobilität und Telekommunikation sowie weitere 90 Millionen Euro in die Versorgungssicherheit.

Bei Wien Energie arbeitet man seit Jahren an der Energiewende

„Wien Energie arbeitet bereits seit Jahren an der Energiewende“, erklärt Unternehmenssprecherin Lisa Grohs. „Viele Projekte, die heute in die Umsetzung gehen, sind seit vielen Jahren im Planungs- und Genehmigungsprozess“ Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und Präsident Wladimir Putins wiederholte Drohungen, den Gashahn zuzudrehen, haben die Bemühungen noch verstärkt, so Grohs: „Die aktuelle Krise zeigt uns aber noch einmal deutlich, wie wichtig dieser Weg ist und kann sicher auch zur weiteren Beschleunigung durch entsprechende Rahmenbedingungen, aber auch stärkere Akzeptanz der Bevölkerung beitragen.“ Gerade beim Thema Energiesparen sind Irrtümer und Gerüchte noch immer weit verbreitet.

Bereits 2021 erzeugte Wien Energie so viel erneuerbaren Strom wie nie davor. Mit 1.260 Gigawattstunden wurde der Bedarf von umgerechnet 630.000 Wiener Haushalten erzeugt. Sonnenenergie war dabei die Musterschülerin: Der aus ihr gewonnene Strom wurde um fast 150 Prozent gesteigert. „Besonders in der Photovoltaik liegt für Wien Energie großes Potenzial“, erläutert Karl Gruber, Geschäftsführer von Wien Energie. „Insgesamt haben wir derzeit rund 400 Projekte mit mehr als 600 Megawatt Leistung in der näheren Analyse. Das reicht von kleinen Dach-Anlagen in der Stadt bis zu großen 10-Megawatt-Projekten im Versorgungsgebiet. Etwa 20 Projekte befinden sich aktuell in Bau.“

Fernwärme ist beim Gasausstieg unerlässlich

Beim Weg aus dem Gasausstieg ist die Fernwärme unerlässlich, sie spielt eine Schlüsselrolle für die für 2040 angestrebte Klimaneutralität. Zu diesem Zeitpunkt soll 56 Prozent des Wiener Wärmebedarfs durch Fernwärme gedeckt werden können. „Damit wir die Wärmewende schaffen, müssen wir in Grätzl- und Quartierslösungen denken“, so Strebl. „Wo können wir welche lokalen Ressourcen bestmöglich nutzen? Im Village im Dritten entwickeln wir gemeinsam mit der ARE das erste Klimaschutzquartier Österreichs. Hier kommt 80 Prozent der Wärme direkt vom Standort.“

Zur Wärmerzeugung machen sich immer mehr alternative Variantenebenfalls bezahlt. Schließlich wurde die Wärmeproduktion aus Erd- und Umgebungsenergie wurde um 73 Prozent gesteigert, was vor allem der Großwärmepumpe in Simmering zu verdanken ist. „Das Ziel ist klar: 2040 muss die Fernwärme zu 100 Prozent klimaneutral sein.“, so Gruber. „Schon in weniger als zehn Jahren wollen wir mehr als die Hälfte der Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Quellen decken. Unser größter Hoffnungsträger ist dabei die Geothermie.“ Begonnen werden soll noch heuer mit dem ersten Geothermie-Umsetzungsprojekt werden: „Wenn alles nach Plan läuft, wollen wir in drei bis vier Jahren die erste Wärme aus geothermischen Quellen einspeisen.“

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