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World Press Photo Ausstellung: Hat Corona der Klimakrise die Show gestohlen?

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Von: Sophie Marie Unger

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Ein Seelöwe spielt mit einer FFP2-Maske unter Wasser.
Ein Seelöwe spielt mit einer FFP2-Maske in Kalifornien. © Ralph Pace

Die World Press Photo Ausstellung im Wiener Westlicht ist für viele ein absolutes Fixum. Nicht nur, weil die Fotos extrem gut sind, sondern auch weil die Geschichten dahinter faszinieren. Doch welche Themen dominierten im Jahr 2020 die Öffentlichkeit? Corona ja, aber nicht nur.

Der Diskurs, dass die Coronakrise der Klimakrise in den vergangenen Jahren die Show gestohlen hat, wird auch auf Bildebene ausgetragen. Natürlich war 2020 von der Pandemie und das mit ihr entstandene Leid geprägt, was auch bei der World Press Photo Ausstellung zu sehen war. Das Siegerbild etwa zeigt eine 85-jährige Brasilianerin, die zum ersten Mal seit fünf Monaten von einer Krankenschwester in den Arm genommen wird. Sie durfte im Altersheim, wie es auch in vielen anderen Ländern der Fall war, keine Besucher:innen empfangen.

Eine 85-jährige Brasilianerin wird ganz von einer Krankenschwester umarmt. Beide sind in Schutzkleidung gehüllt.
Das Siegerfoto „The First Embrace“ der World Press Photo Ausstellung 2021 © Mads Nissen

Doch die Corona-Thematik war gar nicht mal so präsent, wie viele vielleicht im Voraus gedacht hätten. Denn zahlreiche Bilder zu Umwelt und Klima fand man nicht nur im dafür vorgesehenen Ressort, sondern sie poppten auch zwischendurch immer mal wieder auf, was zeigt, dass die Klimakrise einfach in nahezu alle Lebensbereiche reinspielt und als Kreislauf stattfindet. Diese acht Bilder unterstreichen diese Annahme.

1. Forest Fire - Nuno Andre Ferreira

2020 war nicht nur das Jahr der Corona-Pandemie, sondern auch das Jahr des Feuers. Medial wurde dieses Umwelt-Thema sehr prominent aufgearbeitet - kein Wunder, der halbe Erdball stand phasenweise komplett in Flammen. Ob im Mittelmeerraum, in Sibirien oder Kalifornien - Brände zerstörten 2020 weltweit rund vier Millionen Hektar Land. Wissenschafter sind sich weitgehend einig, dass die Erhitzung unserer Erde dafür verantwortlich ist. Denn durch die immer häufigeren und länger andauernden Dürreperioden fallen die Feuer natürlich auch häufiger und stärker aus. Die World Press Photo-Jury zeichnete gleich zwei Fotos zu dem Thema aus. Das erste stammt von Nuno Andre Ferreia. Er widmete sich den Waldbränden in Portugal, welche im September in Oliveira de Frades - rund 100 Kilometer von Porto entfernt - wüteten. Eine Familie flüchtet im Auto vor den Flammen. Das Foto belegte in der Kategorie „Spot News - Einzelbild“ den dritten Platz.

Ein Kind sitzt in einem Auto in unmittelbarer Nähe zu den Waldbränden in Oliveira de Frades, Portugal.
Das Foto „Forest Fires“ zeigt einen in Portugal im September 2020 wütenden Waldbrand. © Nuno Andre Ferreira/Agência Lusa

2. Pantanal Ablaze - Lalo de Almeida

Auch Brasilien gehörte wieder einmal zu den am schlimmsten betroffenen Regionen. Doch meist schafft es (und das auch nicht immer) nur der Amazonas, die Aufmerksamkeit der Medien zu gewinnen. Doch auch andere extrem wichtige Ökosysteme wurden 2020 durch die Brände zerstört. So widmet sich der Fotograf Lalo de Almeida dem größten tropischen Feuchtgebiet der Welt. Das von der UNESCO als Welt-Biosphärenreservat eingestufte Gebiet erlebte 2020 die schwerste Dürre seit 50 Jahren und wurde folglich Opfer heftiger Brände. Die Fotostory belegt den ersten Platz in der Kategorie „Umwelt“.

Bilderserie mit totem Reh, brennenden Wäldern und Feuerwehrleute und eine rotleuchtende Straße.
Das Foto „Pantanal Ablaze“ zeigt den im brasilianischen Pantanal wütenden Waldbrand. © Lalo de Almeida/Panos Pictures/for Folha de São Paulo

3. Rescue of Giraffes from Flooding Island - Ami Vitale

Brand und Flut liegen durch die Klimakrise immer enger beieinander. In den vergangenen Jahren war es daher nicht selten, dass es in der einen Hälfte eines Landes brannte, während die andere Hälfte überflutet wurde. Nur wenige Regionen der Welt blieben 2020 von heftigen Unwettern mit Stürmen, Hagel und Starkregen verschont.

Rothschild-Giraffe, die auf einem Frachter geladen wurde, um einer Flutkatastrophe zu entgehen.
Eine Giraffe, die vor der Flutkatastrophe in Kenia gerettet wurde. © Ami Vitale/CNN

Besonders stark betroffen war etwa Kenia, wo 100.000 Menschen ihr Zuhause verlassen mussten. Nix davon gehört? Die mediale Aufmerksamkeit war diesbezüglich - naja - nicht ganz so präsent wie bei den Bränden. Fotograf Ami Vitale nahm sich dem überschwemmten Kenia aber trotzdem an und brachte die Katastrophe in obenstehenden Bild auf den Punkt. Eine Rothschild Giraffe wurde vor den Fluten auf der Insel Lake Baringo gerettet. Der Transport war nicht gerade einfach, da das Tier unter extremen Stress litt. Die Überschwemmungen hatten sich in den Jahren zuvor durch den steigenden Wasserpegel bereits angekündigt. Die Insel war nämlich eigentlich eine Halbinsel und wurde durch das Wasser dann vom Festland abgeschnitten. Hallo Klimakrise.

4. Locust Invasion in East Africa - Luis Tato

Und was war in Afrika sonst noch so los? Achja da gab‘s noch ein eigentlich relativ große Sache, die wieder einmal an den Rand gedrängt wurde. Ostafrika wurde Opfer einer selten so heftigen Heuschreckenplage. Sie ist ebenfalls Produkt der Klimakrise und auf die ungewöhnlich hohen Temperaturen des Indischen Ozeans und die daraus resultierenden starken Regenfälle zurückzuführen. Der feuchte Boden ist ideal für die brütenden Heuschrecken. Millionen Hektar Land wurden zerstört, Nahrungsgrundlage für Millionen Menschen. Damit verschärft sich auch die Hungerkrise im Land. Luis Tato bildete die Krise in einer Serie ab, die in der Kategorie „Natur“ Platz 3 erreichte.

Ein Postler versucht verzweifelt, einen riesigen Schwarm an Heuschrecken zu verscheuchen.
Eine heftige Heuschreckenplage gefährdete in Ostafrika Millionen Ernten. © Luis Tato/The Washington Post

5. Collecting Drinking Water in Kalabogi - K M Asad

Die Klimakrise hat auch sehr komplexe Folgen. Weil der Meeresspiegel steigt, erhöht sich auch der Gehalt der Salinität des Grundwassers, wodurch dieses nicht trinkbar ist. An der Küste von Bangladesch herrscht während der Trockenzeit daher Trinkwassermangel. Satelliten haben zudem festgestellt, dass das Meer mancherorts um 200 Meter pro Jahr vordringt. Obwohl rund 200 Millionen Menschen davon betroffen sind, bekommt man nur wenig von der Problematik mit. Fotograf K M Asad zeigt, wie eine Frau in der Stadt Kalabogi mit einem Tuch Regenwasser sammelt, um später davon zu trinken. In der Kategorie „Umwelt“ sicherte er sich damit den dritten Platz.

Eine Frau sammelt Wasser in einem Krug, um dieses später zu trinken.
Eine Frau sammelt während der Trockenzeit in Bangladesch Wasser in einem Krug. © K M Asad

6. Make Your Own Glaciers - Ciril Jazbec

Brände, Dürre, Fluten, Plagen - was kommt als nächster? Stimmt, die Gletscherschmelze. Sie ist eine weitere schnell voranschreitende Auswirkung der Klimakrise. 2019 erklärte Island den ersten Gletscher für tot, nun mehren sich jene Katastrophen. Die Eisdecke der Gletscher nimmt derzeit jedes Jahr zwischen einem halben und einem ganzen Meter ab. Das Wasser fließt ins Meer, was zum oben angeführten Anstieg der Spiegel führt. Auch in der Region rund um den Himalaya hat man etwa im Sommer nicht mehr genügend Wasser. Eine Jugendgruppe errichtete daher eine Sammelstelle für Schmelzwasser, das im Sommer für die Bewässerung verwendet werden soll. Ciril Jazbec hielt das Projekt fest und erreichte mit seiner Bildergeschichte den 2. Platz in der Umwelt-Rubrik.

Im Dorf Gya wurde während des Winter eine Eis-Sammelsstelle errichtet.
Eine Jugendgruppe sammelt Schmelzwasser im Himalaya Gebirge, um im Sommer davon Gebrauch zu machen. © Ciril Jazbec

7. The Pig Factory of Europe - Aitor Garmendia

In die Ausstellung auch Einzug erhält das Thema der Fleischproduktion. Hierbei geht es vor allem um die katastrophalen Bedingungen der Haltung von Schweinen in Spanien. Auf einer Farm von Castilla-La Mancha erkrankten zahlreiche Schweine an einer bakteriellen Entzündung. Tierschützer:innen konnten sich, nachdem eine Kampagne der EU eigentlich für die einwandfreie Produktion nach höchsten nachhaltigen Standards geworben hatte, nur unerlaubt Zutritt verschaffen und die eigentliche Situation festhalten. Klima- und Tierschutz gehen schon immer Hand in Hand. Die weltweite Tierhaltung gehört mit rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen zu den wichtigsten Verursachern der globalen Erwärmung. Aitor Garmendia machte in der Umwelt-Rubrik mit der Fotostory den dritten Platz.

Bildergeschichte zeigt kranke Schweine auf einer Farm in Spanien.
Eine Schweinefarm in Spanien beheimatet zahlreiche kranke Schweine. © Aitor Garmendia

8. California Sea Lion Plays with Mask - Ralph Pace

Auf den ersten Blick mag man eventuell meinen, dass die Corona-Pandemie die Klimakrise überschattet hat. Doch wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass all jene Fotos eben genau in Zeiten der Pandemie entstanden sind und auf ganz viele unterschiedliche Ebenen einwirkt. Sogar die Corona-Pandemie selbst ist eng mit den Folgen der Klimakrise verbunden. Denn durch die Zerstörung von Lebensräumen und geänderte klimatische Bedingungen begünstigen den Sprung des Virus von Tieren auf den Menschen noch weiter. Das letzte Bild von Ralph Pace, das zugleich den ersten Preis in der Umwelt-Kategorie belegt, beschreibt diesen Zustand ganz gut. Ein Seelöwe spielt mit einer Maske in Kalifornien. Müll, Meer und Tier sind dabei wichtige Bestandteile der Klimadebatte. Und die Pandemie verschärft die Klimakrise, doch diese führt wiederum zu eben solchen. Ein Teufelskreis, aus dem es auszubrechen gilt.

Ein Seelöwe spielt mit einer FFP2-Maske unter Wasser.
Ein Seelöwe spielt mit einer FFP2-Maske in Kalifornien. © Ralph Pace

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