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Die „Vienna Tschick Challenge“ kämpft gegen die Verseuchung des Wiener Bodens

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Von: Christian Kisler

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Montage: ein Haufen Zigarettenstummel auf dem Gehsteig, ein Mistkübel mit Ascherohr
Achtlos weggeworfene Zigarettenstummel sind ein großes Problem für die Umwelt. Dagegen macht die „Vienna Tschick Challenge“ mobil. © Westend61/IMAGO/Robert Kalb/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Wer raucht, muss die Zigarettenstummel auch entsorgen. Dabei landen die ausgerauchten Tschick in den meisten Fällen auf dem Boden. Die „Vienna Tschick Challenge“ hält dagegen und will gleichzeitig Bewusstsein schaffen.

Die Sache mit den Hundehaufen, in Wien liebevoll Hundstrümmerl genannt, hat man erstaunlicherweise im Griff. Früher war es ein Spießrutenlauf, wenn man lediglich zur Bim-Haltestelle oder zum Supermarkt gehen wollte. Irgendwann hat es dich erwischt und du bist „ins Glück“ gestiegen. Überall sind die Hinterlassenschaften der Vierbeiner gelegen. Heute stößt man zwar ständig mit anderen Personen zusammen, weil man den Blick vom Smartphone nicht lösen kann. Aber der Tritt in die Hundekacke bleibt einem erspart. Nicht zuletzt der Aktion „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“ von der damaligen Umweltstadträtin Ulli Sima wegen sind Wiens Straßen mittlerweile supersauber.

Sollte man meinen. Ist aber nicht so. Während das Bewusstsein für die Beseitigung von Hundekot seitens des hundehaltenden Teils der Bevölkerung gestiegen ist, landet etwas ganz anderes in rauen Mengen auf der Straße: Zigarettenstummel. Klingt im Gegensatz zu Hundehaufen weniger dramatisch, verhält sich aber tatsächlich genau umgekehrt. Nicht umsonst zählen Tschickstummel laut Europäischer Union zum Sondermüll und sollten sachgerecht entsorgt werden. Was freilich nicht geschieht.

868 Millionen Zigarettenstummel werden allein in Wien auf den Boden geworfen

Rund 868 Millionen Zigaretten werden allein in Wien jährlich achtlos auf den Boden geworfen. Lediglich 130 Millionen landen in einem der 21.600 dafür vorgesehenen Mistkübeln mit Ascherohren oder einem der 2.100 allein für sich stehenden Ascherohren. Außerdem sind in Wien auch die sogenannten WasteWatchers unterwegs, die Vergehen gegen das seit 2008 geltende Reinheitsgesetz der Stadt ahnden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei, neben liegen gelassenem Hundekot, auf weggeworfenen Tschickstummeln.

All das zeigt trotz regelmäßiger Plakatkampagnen wenig Wirkung. Das geht auch aus einer Umfrage hervor, wonach fast drei Viertel der Österreicher:innen bereits Zigarettenstummel gedankenlos am Straßenrand, in einem Gully oder gar mitten in der Natur entsorgt haben. Im Rahmen der „Vienna Tschick Challenge“ werden nicht nur regelmäßig weggeworfene Zigarettenstummel gesammelt und gezählt. Darüber hinaus soll auch Bewusstsein für die für Mensch, Tier und Natur gefährlichen Tschickstummel geschaffen werden.

Die „Vienna Tschick Challenge“ war zunächst ein Corona-Alternativprogramm an einer Schule

Ihren Anfang genommen hat die „Vienna Tschick Challenge“ als Corona-Alternativprogramm von Tierschutz Austria in Kooperation mit Pädagog:innen und Schüler:innen des Schulzentrums Herchenhahngasse im 21. Wiener Gemeindebezirk. Mehrmals wöchentlich werden Zigarettenstummel gesammelt und sachgemäß entsorgt. Dabei kommt einiges zusammen. Allein bei einem Klassenausflug zum Bahnhof Leopoldau wurden in nur eineinhalb Stunden 5.047 Zigarettenstummel aufgelesen. Dass Zigarettenstummel den Großteil des entsorgten Mists auf Gehsteigen und Plätzen ausmachen, ist nicht neu. Um dieses Problems Herr zu werden, werden zur Entsorgung in Schweden gar Raben und Krähen eingesetzt.

Im Gegensatz zu trainierten, schlauen Vögeln wie eben Raben und Krähen, können andere Tiere und auch Kleinkinder die Überreste der Tschick irrtümlich (fr)essen. Besonders gefährlich: das darin enthaltene Nikotin, eigentlich ein schweres Nervengift, das keinesfalls verspeist werden sollte. Von den rund 4.000 Schadstoffen, von denen etwa 50 nachweislich krebserregend sind, ganz zu schweigen.

Ein einziger Zigarettenstummel kann tödliche Folgen in Gewässern haben

Ein Zigarettenstummel in einem Liter Wasser reicht aus, um die Hälfte der darin schwimmenden Fische zu töten. Da Muscheln, Schnecken und andere kleine Wasserlebewesen noch empfindlicher reagieren, genügt ein Tschickstummel pro 1.000 Liter, um merklichen Schaden anzurichten. Gewässer werden aber nicht nur vergiftet. Durch die aufgelösten Stummel, die ja tatsächlich aus Kunststoff bestehen, gelangt Mikroplastik in den Kreislauf.

Hier setzt die „Vienna Tschick Challenge“ an. Dass Zigaretten nicht eben förderlich sind für die Gesundheit, ist hinlänglich bekannt. Dass sie aber auch schädlich für die Umwelt sind, vielleicht weniger. Nicht zuletzt deshalb will die „Vienna Tschick Challenge“ Aufklärungsarbeit leisten und sich laufend um Kooperationen bemühen. Auf dass man die nächste Tschick nicht achtlos wegwirft, sondern gescheit entsorgt.

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