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Demo im Schweinekostüm: Verein gegen Tierfabriken publiziert Video, Polizei weist Vorwürfe zurück

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Von: Johannes Pressler

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Mehrere Polizist:innen nehmen Tierschützer:innen fest.
Ausschnitt aus dem vom Verein gegen Tierfabriken veröffentlichten Video zu den Misshandlungsvorwürfen gegen die Polizei. © Screenshot YouTube VGT.Austria

Neues im Fall rund um eine Demonstration des Vereins gegen Tierfabriken und Misshandlungsvorwürfe gegen die dort einschreitende Polizei. Diese sieht in ihrem Vorgehen aber keine Fehler.

Es waren die Bilder, bei denen die Polizei keinen guten Eindruck hinterließ. Die Rede ist von der Demonstration des Vereins gegen Tierfabriken am 14. April vor der Landwirtschaftskammer in Klagenfurt. Anlass waren die immer öfter auftauchenden Berichte über Tierquälerei in der österreichischen Schweinehaltung. Als die Polizei die nicht angemeldete Demonstration auflösen wollte, kam es jedoch zu drei Festnahmen und laut des Vereins zu „unverhältnismäßigen“ Handgreiflichkeiten einzelner Polizist:innen. Aktivisten sollen sogar geohrfeigt, gewürgt und später auf der Polizeistation „splitternackt“ ausgezogen worden sein. BuzzFeed Austria hat darüber bereits ausführlich berichtet.

Wer jetzt denkt, dass das Ganze nach den ursprünglichen Vorwürfen auf der einen und dem Abstreiten auf der anderen Seite schon eine abgeschlossene Partie ist, liegt jedoch verdammt falsch. Der Verein gegen Tierfabriken hat nämlich ein Video zu dem Vorgehen der Polizei bei der Demonstration veröffentlicht - zu sehen sind einige belastende Szenen. Die Polizei wiederum habe eine interne Untersuchung durchgeführt und weist die Vorwürfe vollkommen zurück.

Video des Vereins gegen Tierfabriken: Umstrittenes Vorgehen der Polizei bei der Demonstration

In dem auf YouTube veröffentlichten Video des Vereins gegen Tierfabriken sind Szenen zu sehen, wo die Aktivisten von mehreren Polizisten und mit Handschellen gefesselt zu den Polizeiautos geschleppt werden. So erklären sich die bereits vor mehreren Tagen publizierten Fotos des Vereins, wo lädierte Handgelenke und Schwürfwunden am Knie sichtbar sind.

Fotomontage von lädierten Handgelenken und einem aufgeschürften Knie.
Lädierte Handgelenke und Schürfwunden am Knie: Wie die Polizei mit den Aktivist:innen umgegangen sein soll. © VGT.at

Bei solchen Videos muss natürlich immer bedacht werden, dass hier nicht die gesamte Amtshandlung der Polizei zu sehen ist und nur bestimmte Ausschnitte der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. So können wir natürlich schwer beurteilen, was die Tierschützer:innen getan haben könnten (oder nicht), um von den Polizeibeamt:innen so behandelt zu werden. Nichtsdestotrotz findet sich im Video eine Szene, wo der Eindruck entsteht, dass einer der Aktivisten im Polizeiauto von einem Beamten gewürgt wird. „Er kriegt keine Luft, sind Sie verrückt?“, sagt eine der Aktivistinnen, die die Amtshandlung der Polizei von unmittelbarer Nähe beobachtet.

Hier haben einige, für so einen Einsatz offenbar nicht geeignete Beamt:innen ihrer nicht nachvollziehbaren Wut auf harmlose Tierschützer:innen freien Lauf gelassen. Das sollte keinesfalls passieren!

Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken

Interne Untersuchung der Polizei, Anzeige eines Aktivisten liegt vor

Direkt nach der Demonstration verhielt sich die Polizei äußerst ruhig zu den Vorwürfen. Nur eine kurze Presseaussendung, nicht mal dem ORF vor Ort in Klagenfurt wollte man ein Interview geben. Solch ein Vorfall sei nicht von so viel Bedeutung, habe man damals gesagt. Nur einen Tag nach den schweren Vorwürfen (15. April) gab die Polizei aber doch bekannt, eine interne Untersuchung einzuleiten. Fünf Tage später das Ergebnis. „Im Zuge dieser Überprüfung konnten die Vorwürfe des Vereins gegen Tierfabriken bisher in keinster Weise bestätigt werden“, sagt Polizeisprecher Dominik Sodamin. Das auffällige Wort in diesem Statement ist natürlich „bisher“, denn gegessen ist das Ganze noch nicht.

Die interne Untersuchung der Polizei sei zwar vorerst abgeschlossen, nun könnte der Fall aber vor Gericht landen. Einer der Aktivisten, der laut eigenen Angaben geohrfeigt und sich auf der Polizeistation nackt ausziehen musste, hat einen der Polizisten nämlich angezeigt. Als Nächstes wird die Polizei in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung einen Erhebungsbericht zusammenstellen. Dieser soll einige Zeit in Anspruch nehmen, heißt es vonseiten der Polizei. Über das weitere Vorgehen wird dann die Staatsanwaltschaft entscheiden.

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