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„Wissenschaftliche“ Hautpflege: So viele Wirkstoffe, so wenig Wirkung

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Von: Helena Dimmel

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Serum Frau
Welche Wirkstoffe in Seren helfen wirklich? © Imago/Yay Images/MARC TRAN

Die Hautpflege-Industrie denkt sich regelmäßig fancy Mittelchen aus, um unsere Haut zum Strahlen zu bringen. Helfen diese aber wirklich? Die Studienlage ist oft nicht ausreichend.

Der TikTok-Trend „Clean Girl“ zeigt uns wiedermal auf verschrobene Weise, was wir eh schon wissen: Unsere Gesellschaft ist verrückt nach schöner Haut. Rein soll sie aussehen, „dewy“ und „glowy“ soll sie sein, möglichst porenlos wirken. Laut statista.com beträgt der Umsatz im Markt „Beauty & Personal Care“ 2022 etwa 467.414 Millionen Euro. Ständig bringt die Industrie neue Kosmetik-Firmen hervor, Produktpaletten werden größer und unübersichtlicher. In einer scheinbar nie endenden Kaskade von neuen, scheinbar besseren Produkten mit kryptischen Wirkstoffen, ist es zunehmend schwer für Konsument:innen, den Überblick zu behalten.

„Unabhängige Studien“, die von Kosmetikfirmen finanziert werden

Die Skin Care Branche floriert, mit ihr die Forschung zu Wirkstoffen. Immer extravaganter werden die Mittelchen, die auf Social Media polarisieren, von Schneckenschleim bis hin zu Bienengift. Die Komponente der Wissenschaftlichkeit hat Einzug in die Marketing-Strategien gefunden. Kosmetik-Hersteller:innen erhoffen sich einen Marktvorteil, wenn sie mit Forschung werben, die die Wirksamkeit ihrer Produkte belegt. Der Clue: Viele dieser Studien werden von Firmen wie L’Oréal oder Estee Lauder selbst finanziert, nicht immer ist die wissenschaftliche Vorgehensweise oder Sample-Größe der Teilnehmer:innen ausreichend.

Gehypte Wundermittel, ohne hinreichendem wissenschaftlichen Beleg

Die japanische Kosmetikfirma SK II (ausgesprochen EskayTu) liefert ein Musterbeispiel für diese Marktentwicklung. Als eines des meistverkauften Hautpflege-Produkte in Ostasien hat sich die Firma mit ihrer „Pitera Essence“ eine Vormachtstellung in der Kosmetikindustrie aufgebaut, die letzten Endes auf Mundpropaganda beruht: In den 70er Jahren sollen SK-II Wissenschafter:innen die Beobachtung gemacht haben, dass japanische Sake-Brauer:innen besonders schöne, zarte Hände hätten, die gegenüber ihrer Gesichtshaut viel jünger wirkten. Die Wissenschafter:innen kamen zu dem Schluss, dass das Beauty-Geheimnis von Sake in der Hefe liegt, mit der die Brauer:innen während des Fermentationsprozesses ständigen Hautkontakt hatten. SK II entwickelte daraufhin jene fermentierte, gereinigte Hefesorte, die sie dann mit „Pitera“ patentierte.

Eine Flasche „Pitera Essence“ mit gerade mal 70 Mililitern Inhalt kommt preislich auf umgerechnet hundert Euro. SK-II behauptet auf ihrer Website, dass „Pitera“ seine Effektivität wissenschaftlich bewiesen hat. Die Beweise dafür liegen allerdings nur gering vor. Eine mysteriöse “Akita” Studie wird referenziert, in der die Haut von hundert Frauen zehn Jahre lang beobachtet und analysiert wurde. Die Studie selbst wurde allerdings nie veröffentlicht. Hefe wird fernab von SK II‘s Luxus-Vermarktung seit Jahren in auch in Billig-Hautprodukten verwendet, da sie Feuchtigkeit spendet, antioxidative Wirkungen hat und die Sauerstoff-Versorgung der einzelnen Hautzellen steigern kann. „Pitera“ konnte bis heute jedenfalls nicht beweisen, dass es mehr kann als normale Hefe.

Nur wenige Wirkstoffe sind ausreichend erforscht & Nicht alles funktioniert für jeden

Letzten Endes muss man als Konsument:in selbst entscheiden, welche Produkte man kauft und wie man sie an seinem Körper anwendet. Die Versprechungen der Kosmetikindustrie gilt es allerdings zu hinterfragen, selbst Studien sollte man doppelt checken. Hyaluron, Retinol (Vitamin A-Säure), Vitamin C und Niacin (Vitamin B) gehören zu den wenigen Wirkstoffen, die hinreichend erforscht und seit Jahrzehnten erprobt sind.

In jedem Fall muss auch dann auf die individuelle Verträglichkeit geachtet werden. „Es gibt verschiedene Hautpflegeprodukte, um verschiedenen Hauttypen, Anliegen und Bedürfnissen gerecht zu werden. Einige Produkte sind möglicherweise nicht für Personen geeignet, die zu allergischen Reaktionen neigen, und einige können die Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht erhöhen. Aus diesem Grund sollten jeder Mensch Hautprodukte gründlich recherchieren, um das Beste für sich zu finden“, heißt es auf der Website der American Dermatology Association.

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