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Gegen Wissenschaftsskepsis: Die Science Busters sollen Bildungsminister unterstützen

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Von: Christian Kisler

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Montage: „Science Busters“ Martin Moder und Martin Puntigam, Bildungsminister Martin Polaschek
Die Science Busters sollen Bildungsminister Martin Polaschek dabei helfen, etwas gegen die Wissenschafts- und Demokratieskepsis in Österreich zu unternehmen. © Hubert Mican/First LookAlex Halada/APA-PicturDesk/BuzzFeed Austria

Was das Interesse an Wissenschaft betrifft, ist Österreich fast europäisches Schlusslicht. Die Skepsis überwiegt, siehe Schwurbler:innen und Querdenker:innen. Bildungsminister Martin Polaschek will das ändern und ruft zur Unterstützung die Science Busters.

Man hätte es spätestens mit dem Aufkommen der COVID-19-Pandemie ahnen können. Während beim ersten Lockdown die meisten Menschen brav die Anweisungen befolgten und in erster Linie zu viel Klopapier horteten, kippte das relativ rasch. Das erste Überraschungsmoment war rasch verflogen, nicht zuletzt die Ablehnung der Impfung auf einer relativ breiten Ebene bestätigte, was zu befürchten war: Österreich ist nicht nur „Land am Strome“ und Heimat „großer Töchter und Söhne“, sondern auch relativ vieler Wissenschaftsskeptiker:innen. Das zeigte sich schließlich auch am Wahlverhalten: Die Impfgegner:innen-Partei MFG etwa schaffte auf Anhieb den Sprung in den oberösterreichischen Landtag, auch FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl schwurbelt, was das Zeug hält und erhält Zuspruch.

„Das Interesse an Wissenschaft ist im internationalen Vergleich so niedrig, dass einem das zu denken geben muss“, meinte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) bei der Präsentation seiner neuesten Pläne. Er will die Wissenschafts- und Demokratieskepsis in Österreich bekämpfen. Wie, es gibt beides hierzulande? Aber ja, diese beiden Themen hätten eine wechselseitige Beziehung zueinander: „Zweifelt man an Wissenschaft, werden auch demokratische Werte in Zweifel gezogen.“ Wenig beruhigend also, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Österreich in einer Eurobarometer-Umfrage nur knapp den letzten Platz verpasst hat.

Die Wissenschaftssepsis ist nur in Kroatien höher

Die Werte bezüglich Zustimmung zu Wissenschaft und Demokratie sind lediglich in Kroatien schlechter. „Wir haben ein strukturelles Problem, wenn knapp die Hälfte der Befragten angibt, dass Wissenschaft für ihr Leben keine Rolle spielt und wenn ein Drittel überzeugt ist, dass Forscher:innen nicht ehrlich sind“, so Polaschek. Befeuert wird dieses Misstrauen auch durch den Konsum von Fake News, die auch in seriösen Medien ein immer größeres Problem werden.

Wie will der Bildungsminister das Problem nun angehen? Zunächst einmal mit einer Ursachenstudie, der Sache also auf den Grund gehen. An den Schulen sollen ausgezeichnete Hochschullehrer:innen sprechen, jene, die komplizierte wissenschaftliche Sachverhalte so erzählen können, dass sie auch Menschen ohne jegliche Vorbildung verstehen. Ganz ähnlich wie die Science Busters. Auch sie sollen eingebunden werden und den Menschen vermitteln, was Wissenschaft überhaupt ist und dass diese auch unseren kompletten Alltag durchwirkt. Und zu guter Letzt etwas, das ohnehin seit Ewigkeiten längst überfällig ist: Medien- und politische Bildung stärker in den Lehrplänen verankern. Diese werden gerade für die Schulen neu erarbeitet.

Bildungsminister Polaschek stellt sich persönlich in den Dienst der guten Sache

Auch Minister Polaschek selbst will sich in den Dienst der guten Sache stellen. Einmal im Monat will er mit einer Schulklasse etwas unternehmen, um dieser die Bedeutung von Demokratie und Wissenschaft deutlich zu machen. Auf dem Programm stehen der Besuch der Demokratiewerkstatt des Parlaments, an einem Zeitzeug:innen-Seminaren teilnehmen oder in die KZ-Gedenkstätte Mauthausen fahren.

All das tut auf jeden Fall Not. In der erwähnten Eurobarometer-Umnfrage sind noch einige andere Ergebnisse enthalten, bei denen man aufhorchen sollte, vor allem in Sachen Verschwörungstheorien. Jeweils 21 Prozent der Österreicher:innen glauben, dass „Viren in staatlichen Labors produziert worden sind, um unsere Freiheit einzuschränken.“ Und dass es „Mittel gibt, um Krebs zu heilen, von denen die Öffentlichkeit aus kommerziellen Gründen nichts erfährt“. Dass das weniger als der EU-Schnitt ist - der liegt bei 26 beziehungsweise 28 Prozent -, macht die Sache nicht besser. Dafür liegen wir bei einem anderen Resultat weit über dem europäischen Durchschnitt: Ganze 28 Prozent der Österreicher:innen gehen davon aus, die ersten Menschen gleichzeitig mit den Dinosauriern lebte und Seite an Seite auf unserem Erdenrund wandelten. EU-weit sind es „nur“ 20 Prozent. Es ist höchste Zeit, dass gegen diese Wissenschaftsfeindlichkeit etwas unternommen wird.

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