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WM in Katar wird teurer als alle bisherigen Weltmeisterschaften zusammen

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Von: Robert Wagner

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Die WM in Katar könnte mehr kosten, als alle vergangenen Weltmeisterschaften zusammen. Ein Experte für Sport und Finanzen erklärt, warum.

Die WM in Katar wird teuer. Sehr teuer. Das ist mittlerweile bei den meisten angekommen. Wie teuer dieses sportliche Großereignis aber tatsächlich sein wird, machen neue Schätzungen deutlich, von denen die Deutsche Welle (DW) berichtet. Während man 2010, als die WM 2022 an Katar vergeben wurde, noch mit Kosten von 65 Milliarden US-Dollar rechnete, geht man heute von mehr als 200 Milliarden US-Dollar aus. Das sagte Dan Plumley, Experte für Sport und Finanzen an der britischen Sheffield Hallam University, der DW.

Hassan Al Thawadi, Generalsekretär des katarischen WM-Organisationskomitees, spricht während eines Interviews mit «The Associated Press», März 2022.
Für Katar spielt Geld keine Rolle. Der Chef des WM-Organisationskomitees Hassan Al Thawadi gibt an, dass mehr als 200 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur des Landes geflossen sind. © Darko Bandic/dpa/Collage

„Es wird in Bezug auf die Kosten die teuerste WM, die es bislang gab. Und dabei wissen wir noch nicht einmal, wie teuer es am Ende wirklich kommen wird“, zitiert die DW Plumley. Die US-basierte Sportfinanzberatungsgesellschaft „Front Office Sports“ schätzt die Kosten auf 220 Milliarden US-Dollar. Damit wäre diese eine WM teurer als alle 21 bislang ausgetragenen Fußballweltmeisterschaften zusammen. Zum Vergleich: Die beiden bisher teuersten Meisterschaften, Brasilien 2014 und Russland 2018, hatten zwischen 15 beziehungsweise 11,6 Milliarden US-Dollar gekostet.

Ob es an den enormen Kosten liegt, ist fraglich. Fakt ist jedoch: die Mehrheit der Deutschen hatkeine Lust auf die WM in Katar.

WM in Katar ist teuer, weil sie Teil eines gigantischen Entwicklungsprogramms ist

Der mit Abstand größte Teil dieser gigantischen Summe floss in den Ausbau der Infrastruktur von Katar. Den Bau neuer Straßen, neuer Hotels, eines internationalen Flughafens, eines neuen U-Bahn-Netzes und ganzer Freizeitparks lässt sich sein Land über 200 Milliarden Dollar kosten, sagt Hassan Al Thawadi, Chef des katarischen Organisationskomitees für die WM. Die meisten dieser Investitionen sind Teil des 2008 angestoßenen nationalen Entwicklungsplans „Qatar National Vision 2030“, der das Land bis 2030 „in eine fortschrittliche und entwicklungsfähige Gesellschaft“ transformieren soll.

Diese massive Investitionswelle werde am Ende ein riesiges Minus produzieren, sagt Plumley der DW. So ist es fraglich, ob die sieben für 6,5 Milliarden Dollar aus dem Boden gestampften Stadien nach der WM überhaupt noch Verwendung finden werden. Die wahren Ziele des Emirats seien aber nicht kommerziell, ergänzt er. „Internationale Beziehungen sind das Schlüsselmotiv, das Ereignis auszurichten und es geht hauptsächlich um Soft-Power im Sinne einer Verteidigungs- und Sicherheitsstrategie.“

Katar kann sich dank seines Reichtums mit der WM eine „finanzielle Anomalie“ leisten

Es geht dem von mächtigen Nachbarn umgebenen kleinen Land Katar also darum, sich als gefragter Austragungsort internationaler Großereignisse möglichst unantastbar zu machen. Katar ist nach dem Pro-Kopf-Einkommen seiner Staatsbürger:innen das reichste Land der Welt und könne sich diese extrem teure Politik dank seiner enormen Gasvorkommen leisten.

„Geld spielt für die Kataris ganz sicher keine Rolle. Es ist offensichtlich, dass sich das Land das leisten kann und bereit ist, die gigantischen Ausgaben zu schultern. In vielerlei Hinsicht ist die Fußballweltmeisterschaft 2022 eine finanzielle Anomalie“, sagt Plumley.

Mittlerweile äußern sich auch bekannte deutsche Fußballprofis kritisch zur WM in Katar, denn der Reichtum Katars, der diese „finanzielle Anomalie“ erst ermöglicht, hat einen Preis. Offiziellen Statistiken zufolge sind in Katar mehr als 15.000 Menschen nicht-katarischer Staatsangehörigkeit seit der WM-Vergabe 2010 gestorben. NGOs wie Amnesty International kritisieren, dass ein sehr großer Teil dieser Toten aufgrund unmenschlicher Arbeitsbedingungen gestorben ist.

BuzzFeed News Deutschland hat weitere Gründe gesammelt, warum du die WM in Katar besser nicht schauen solltest.

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