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„Ich war geblendet“: Xaiver Naidoo erklärt, sich in Verschwörungstheorien verrannt zu haben

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Von: Robert Wagner

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Xavier Naidoo bei einem Konzertauftritt. Dazu das Zitat „Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue.“
Xavier Naidoo sagt sich offenbar von Verschwörungsideologien los, die er jahrelang verbreitet hat. © Alexandra Wey/dpa/Collage/BuzzFeed

Jahrelang verbreitete er Verschwörungsideologien, nun überrascht Xavier Naidoo mit einer Videobotschaft: Der Ukraine-Krieg habe ihn zum Umdenken gebracht.

Es war für viele eine große Überraschung, die heute Morgen durch die Medien ging: Der umstrittene Sänger Xavier Naidoo* hat in einer Videobotschaft auf Youtube zugegeben, sich in Verschwörungserzählungen verloren zu haben, wie die Deutsche Presse Agentur (dpa) berichtet. „Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage“, sagte der 50-Jährige in dem etwas mehr als dreiminütigen Video mit dem Titel „#OneLove“.

Es wurde am Montagabend auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht. Er sei von Verschwörungserzählungen „geblendet“ gewesen, habe diese nicht genug hinterfragt und sich zum Teil „instrumentalisieren“ lassen. „Das habe ich leider jetzt erst erkannt. Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue“, sagte der aus Mannheim stammende Musiker weiter.

Xavier Naidoo: Ein langjähriger Anhänger rechter Verschwörungserzählungen

Xavier Naidoo ist während der Coronapandemie zu einem der bekanntesten Influencer in der verschwörungsideologischen Szene geworden, zeigte aber schon Jahre zuvor Sympathien für die Reichsbürger-Szene. So sprach er bereits am Tag der Deutschen Einheit 2014 auf einer Reichsbürger-Demonstration vor dem Reichstag und behauptete, Deutschland sei immer noch von den Alliierten besetzt, wie das Jüdische Forum berichtete. Schon damals sprach man von „Naidoos Weg in die rechte Ecke“.* Bereits 1999 irritierte er in einem Interview mit dem Musikmagazin Rolling Stone mit der Aussage, er sei ein „Rassist ohne Ansehen der Hautfarbe“. Textzeilen brachten ihm Rassismus-Vorwürfe ein, die der Sänger selbst zurückwies.

In der Pandemie glitt er tiefer in Verschwörungsideologien ab, stellte die Pandemie als ein Instrument zur Einführung einer „Neuen Weltordnung“ dar und verbreitete schließlich die Erzählungen der QAnon-Bewegung. Deren Anhänger:innen glauben unter anderem an eine internationale Verschwörung obskurer Eliten, die aus dem Blut von Kindern Verjüngungselixiere produzieren würden. Gegen Kritik, er stünde rechtsextremen Verschwörungserzählungen nahe, wehrte er sich jedoch in der Vergangenheit. Im Dezember 2021 urteilte das Verfassungsgericht in Karlsruhe, dass eine Vortragsrednerin Xavier Naidoo als Antisemiten bezeichnen durfte.

Xavier Naidoo gibt sich geläutert: „Habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich befunden habe“

Xavier Naidoo begründete seinen Sinneswandel nun mit dem Ukraine-Krieg. Entscheidend dabei sei der Umstand gewesen, dass seine eigene Ehefrau aus der Ukrains stammt: „(...) und aus diesem wunderschönen Land musste ich jetzt Familie und Freunde rausholen, weil dort Angst und Schrecken herrschen.“ Das Leid der Menschen habe ihn „tief bewegt“ und in ihm einen Prozess des Umdenkens ausgelöst. „Die Welt scheint wie auf den Kopf gestellt und ich habe mich gefragt, wie es so weit kommen konnte. (...) Mir ist bewusst geworden, wie wichtig es ist, sich selbst zu reflektieren.“

Er habe viel mit Betroffenen gesprochen - und sich kritischen Fragen zu Äußerungen von sich stellen müssen, wofür er sehr dankbar sei. „Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe und dass ich in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe.“ Ihm sei bewusst geworden, dass er seine Familie, Freunde und Fans mit „verstörenden Äußerungen irritiert und provoziert habe, für die ich mich entschuldigen möchte“, sagte Naidoo. Er habe stets nur nach der Wahrheit suchen wollen und gibt zu, sich dabei „verrant“ zu habe.

Auf Twitter herrscht Skepsis über Naidoos Videobotschaft. Ein Nutzer findet es fraglich, ob der Sänger mit dem dreiminütigen Video wieder etwas gut machen könne:

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