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Yahoo ernennt das mieseste Unternehmen des Jahres - und steht selbst nicht besonders gut da

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Von: Christian Kisler

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Ein Finger zeigt auf das Logo der Firma Yahoo auf einem Computerbildschirm
Yahoo steht für die Zeit, als das Internet noch in Kinderschuhen steckte. Jetzt will man Meta, vormals Facebook, als schlechtesten Konzern des Jahres anprangern. © Jens Buettner/EPA/PictureDesk

Yahoo finance kürt jedes Jahr das schlechteste Unternehmen. Da sollte man vorsichtig sein, Yahoo selbst hat alles andere als eine weiße Weste.

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen, sagt ein altes Sprichwort. Oder, um ein anderes Bild zu bemühen: Wer selbst Dreck am Stecken hat, sollte andere nicht mit Schmutz bewerfen. Genug der Sprücheklopferei, du fragst dich wahrscheinlich schon, was das alles mit Yahoo zu tun hat.

Der ehemalige IT-Gigant, mittlerweile ein Schatten seiner selbst, kürt im Rahmen seiner Sub-Site Yahoo finance jedes Jahr das beste Unternehmen des Jahres. Platz eins ist heuer Microsoft, nicht zuletzt eines Kurssprungs von 53 Prozent. Gleichzeitig lässt man seine User:innen den schlechtesten, den schlimmsten Betrieb des vergangenen Jahres wählen. Wenig überraschend traf es Meta, vormals Facebook.

Meta/Facebook nimmt so einiges in Kauf, um Gewinn zu machen

Das hat seine Gründe. Nicht zuletzt der Enthüllungen der ehemaligen Facebook-Angestellten und nunmehrigen Whistleblowerin Frances Haugen wegen, weiß man, dass der Konzern mit seinem Aushängeschild Facebook die Aushöhlung von Demokratien, Völkermord, Mobbing und das Verbreiten von Fake News zur Gewinnmaximierung in Kauf nimmt, ohne mit der Wimper zu zucken.

Mit Instagram wiederum hat Meta ein Produkt im Portfolio, dass für die geistige Gesundheit von Kindern und Jugendlichen besonders schädlich zu sein scheint, wie jüngste Studien belegen. Grund also genug, sich gegen den chinesischen Versandhandel Alibaba und Elon Musks Technikunternehmen Tesla durchzusetzen. Dennoch sollte Yahoo wohl den Ball flach halten, wirft man einen Blick auf seine Vergangenheit.

Yahoos bescheidene Anfänge

Yahoo also. Ya-was? Ein kleiner Rückblick: Es gab eine Zeit, da hatte nicht jede:r eine Gmail-Adresse, im Gegenteil. Um originelle E-Mail-Adressen mit dazu gehörenden Webmailangebot war ein regelrechter Kampf um Kunden ausgebrochen. Hotmail? GMX? Oder eben doch Yahoo?

Ursprünglich bot das von zwei Stanford-Studenten gegründete Unternehmen so etwas wie eine Überblickseite der im Internet vorhandenen Websites an. In Anbetracht der heutigen Fülle, ein putziges Unterfangen, das schließlich doch zu einer von einst vielen Suchmaschinen ausartete.

Riesennummer Yahoo, Börsengang inklusive

Bei Googles heutiger Allmacht nicht zu glauben, wie viele Möglichkeiten es früher gab, das Netz zu durchforsten. Yahoo war mit seinem vielfältigen Angebot eine Riesennummer, als das Internet noch in den Kindergarten ging, Börsengang inklusive. Alles war dabei strikt werbefinanziert.

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende brach das Werbegeschäft ein, trotzdem war man in der Lage, zumindest ehemals innovative Seiten wie Tumblr und Flickr, beides Seiten, um Fotos im Netz mit anderen zu teilen. Instagram und Facebook waren noch nicht alternativlos. Lange zuvor jedoch, im März 2002 nämlich, der Sündenfall: Die Volksrepublik China hatte die Macht des Internets erkannt und auch die in ihren Augen systemzerfressende und subversive Gefahr.

Ein iPhone-Screen mit den Apps zu Yahoo und Tumblr
Yahoo kaufte Tumblr, ein Service das zu diesem Zeitpunkt noch hoch im Kurs stand. © Antonia Bronic/Reuters/PictureDesk

Yahoo lässt sich von China an die kurze Leine nehmen

Folglich ließ China IT-Unternehmen eine sogenannte, vom chinesischen Staat aufgesetzte „Öffentliche Erklärung zur Selbstdisziplin“ unterzeichnen. Mit der Unterschrift verpflichtete man sich, „keine gefährlichen Informationen zu produzieren, zu veröffentlichen oder zu verbreiten, die die staatliche Sicherheit oder die soziale Stabilität gefährden könnten“.

Aus Rücksicht auf ihr Business ging den meisten die Unterschrift leicht von der Hand, wobei viele zumindest nach Kompromissen suchten. Google etwa kennzeichnet zumindest zensierte Ergebnisse als solche, Yahoo tut das nicht. Diese Ergebnisse tauchen schlichtweg nicht auf. Man unterschrieb jedenfalls, ohne Kritik zu äußern. Business first.

Yahoo und Menschenrechte, Yahoo und Datenschutz

Bis heute ist unklar, welche Rolle Yahoo bei der Verhaftung von vier chinesischen Dissidenten gespielt hat. Nur dass der Konzern involviert war, ist gesichert. Auch bei der Identifizierung von Regimekritiker:innen war Yahoo beteiligt. Mit Menschenrechten hat es das ehemalige Vorzeige-IT-Unternehmen also eher nicht so.

Auch nicht mit Datenschutz. 2011 wurde bekannt, dass Yahoo Daten seiner Nutzer:innen für 18 Monate aufbewahren wollte, ohne diesen Bescheid zu geben. Angesichts dessen, wie Facebook, Pardon: Meta, und Co. mit unseren Daten heute umgehen, kostet uns das lediglich ein müdes Lächeln. Allerdings gab es immer wieder durch Hacker:innenangriffe verursachte Datenlecks, mit denen nicht gerade beruhigend umgegangen wurde. Eine Panne aus dem Jahr 2013 wurde erst drei Jahre später eingestanden, und das nur auf Druck von außen.

Yahoo öffnete Hintertür für US-Geheimdienste

Ebenfalls 2016 wurde bekannt, dass Yahoo, ohne seinem eigenen Sicherheitsteam Bescheid zu geben, eine Art Hintertür programmieren ließ, die US-amerikanischen Geheimdiensten erlaubte, den Datensatz zu durchforsten. Und das zwei Jahre nach den Enthüllungen von Edward Snowden, wohlgemerkt.

Die Liste mit Pannen und Ungereimtheiten ließe sich fortsetzen, sprengt aber den Rahmen. Allerdings die Frechheit zu besitzen, andere Unternehmen herabzuwürdigen und ihnen den Titel „worst business“ zu verleihen, schlägt dem Fass endgültig den Boden aus. Erst sollte vor der einigen Tür gekehrt werden. Und damit ist es auch genug der lahmen Sprüche.

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